Ein halbes Jahr in meiner neuen Heimat!

Liebe Leser, inzwischen ist es März und ich bin schon über ein halbes Jahr hier in Neuseeland – krass, wie schnell die Zeit vergangen ist!!! Und was für ein spannendes und schönes (aber auch nicht immer einfaches) halbes Jahr das war! Ich habe viele neue Dinge gelernt (Rasenmähen mit dem Ride-on mower, Ölwechsel machen, Zaun bauen, Kamin anfeuern, diverse Fahrzeuge fahren, alle Arbeiten rund um einen Campingplatz,…), viele neue Leute kennen gelernt, einen Hund adoptiert und mich ziemlich gut hier eingewöhnt, obwohl mein neues Leben so ganz anders ist als mein altes in Deutschland. Und das Wichtigste von allem: Paddy und ich sind zusammen und genießen jeden einzelnen Tag miteinander. Selbst nach jetzt einem Jahr zusammen wohnen und obwohl wir fast 24 Stunden jeden Tag miteinander verbringen, fühlt es sich doch immer noch besonders an, morgens mit ihm aufzuwachen und ihn einfach in den Arm nehmen zu können – so schnell werden wir das wohl nicht für selbstverständlich nehmen, zu hart war der Kampf, bis wir das erreicht hatten! Insgesamt sind wir jetzt schon 3 Jahre zusammen, und die ersten zwei davon waren sicherlich die härtesten meines Lebens, zuerst dank der Fernbeziehung und dann wegen des Zwangs-Getrenntseins wegen Corona. Jetzt steht der letzte Schritt an, der Antrag des Partnership Residency Visa, der zeitlich unbegrenzten Aufenthaltserlaubnis. Diese Woche werden wir die letzten Formulare und Dokumente zusammentragen und nächste Woche einreichen. Drückt uns die Daumen, dass das klappt, und hoffentlich relativ schnell. Leider ist die durchschnittliche Bearbeitungszeit 10-12 Monate, d.h. wir müssen wohl zwischenzeitlich nochmal ein Partnership Work Visa beantragen, wenn mein aktuelles im August ausläuft, was natürlich nochmal extra kostet… Aber was solls, Hauptsache es klappt! Sobald ich Residency habe, kann ich dann auch wieder nach Deutschland kommen, vorher traue ich mich das nicht… nochmal halte ich eine lange Trennung von Paddy nicht aus!

Neben dem Zusammenstellen der Papiere für das Visum gab es die letzten Wochen noch zahlreiche andere Dinge zu erledigen, wir waren ziemlich gut beschäftigt! Zu allererst wollten wir unbedingt unser Grundstück komplett fertig einzäunen, damit Harvey, unser Hund, nicht ausreißen oder im Camp frei herumlaufen kann. Leider fing er nämlich an, nicht nur auf dem Campingplatz herumzulaufen, sondern weitete seine Solo-Spaziergänge auf außerhalb des Holiday Parks aus, und das wurde uns zu gefährlich, da er leider keine Angst vor Autos oder LKWs hat – im Gegenteil, er jagt sie (zum Glück bisher nur unter der Brücke, wenn sie darüber fahren). Und so machten wir uns in Windeseile an die Fertigstellung des Zauns und das teilweise provisorische Stopfen einiger Schlupflöcher, bis wir mehr Zeit haben, eine Dauerlösung zu finden. Hier ein paar fotografische Beweise unserer Arbeit:

Die letzten Zaunlatten liegen nach dem Streichen zum Trocknen in der Sonne – insgesamt waren es 189, die natürlich 2x gestrichen werden mussten!
Die fertigen Zaunlatten, dahinter rechts der alte ausgeblichene Zaun, links schon ein Stück des neuen Zauns.
Paddy beim Annageln der Latten.
Harvey hat noch keine Ahnung, was da vor sich geht. Er sitzt entspannt mit seinem Lieblingsspielzeug „Chucky“ im Schatten und schaut uns bei der Arbeit zu.
Juhuuu, der Zaun inklusive Gate ist fertig! Und auch den Zaun am Eingang des Campingplatzes neben der Lodge haben wir fertig gestellt (ohne Bild).

Die einzig verbliebenen offenen „Fluchtstellen“ waren ein kleines Loch neben dem Tor am entfernten Ende unseres Grundstücks und die Garage, die keine Rückwand hat. Beides haben wir notdürftig mit Maschendrahtzaun zu gemacht. Natürlich wollten wir die „Hundesicherheit“ unseres Zauns gleich mal testen, und so ließen wir Harvey im Garten und gingen beide durch das Gartentor hinaus auf den Campingplatz – keine 15 Sekunden später rannte uns Harvey hinterher, und wir hatten keine Ahnung wie er rausgekommen war! Zuerst dachten wir, er sei über den kleinen Maschendrahtzaun in der Garage gesprungen (zugegebenermaßen könnte er wahrscheinlich überall locker drüber springen, er hat eine Wahnsinns-Sprungkraft! Aber zum Glück weiß er das nicht ;-)). Aber nach einigem Suchen fanden wir dann sein Schlupfloch:

Eine fehlende Latte im alten Zaun, versteckt hinter Weinreben (fürs Foto und die Reparatur haben wir die zur Seite geschoben).
Groß genug für unseren schlanken Hund zum Durchlaufen, wie er uns hier bewies.
Loch gestopft 🙂
Harvey findet das nicht so toll und beschwert sich bei Paddy 😉

Jetzt kann Harvey seine relative Freiheit genießen und in Haus und Riesengarten umherstreifen so viel er will. Bisher klappt das sehr gut, mal sehen wie lange…

Da wir ab März 36 RSE workers (Recognized Seasonal Employees) von den Inseln beherbergen würden, die in Mr.Apple’s pack house ganz in der Nähe arbeiten würden, musste noch einiges vorbereitet werden. Zum einen brauchten wir mehr Unterkünfte, unsere Cabins und Lodge und Villa sind nicht groß genug. Hierfür lieh sich die Firma Mr. Apple kleine cabins, in denen jeweils zwei workers untergebracht werden würden. Diese cabins stehen nun verteilt auf dem ganzen Campingplatz, ganze 9 Stück davon!

Lieferung der ersten cabin.
Auch ein zusätzlicher Waschraum mit Toiletten und Dusche wurde geliefert, er steht rechts von unserem Toilet Block.

Außerdem ließen wir das elektrische Wasserheizsystem am Toilet Block durch Gas ersetzen, und natürlich übernahm Paddy einige Arbeiten wie Rohre austauschen und anschließen. In der Woche davor stellten wir einiges in unseren Gebäuden um, tauschten Doppelbetten gegen Einzelbetten aus und besorgten noch ein paar Extra-Betten.

Doch bevor die RSE workers Anfang März einzogen, stand am letzten Februarwochenende noch das „Tennis-Wochenende“ an, an dem im benachbarten Tennisclub ein Veteranen-Turnier stattfindet und der ganze Campingplatz voll mit Tennisspielern aus ganz Neuseeland ist. Normalerweise gibt es jedes Jahr am Samstag eine Party mit Live-Musik von Paddy’s Band im Garten, aber da Omikron gerade durchs Land raste und die Infektionszahlen mit jedem Tag höher wurden, verzichteten wir auf die Party. Die machten die Tennisleute aber auch ohne uns! Wir gesellten uns ein bisschen dazu, seilten uns aber relativ früh wieder ab – schließlich mussten wir fit sein am nächsten Morgen, um die Überreste zu entsorgen! Nachdem am Montag früh auch die letzten Tennisspieler ausgecheckt hatten, ging es ans Großreinemachen – alle cabins und Unterkünfte mussten geputzt werden (natürlich zusätzlich zum Toilet Block)!!! Zum Glück half Paddy’s Schwester Aileen mit, und trotzdem waren wir den ganzen Tag beschäftigt!

Am Nachmittag des nächsten Tages zogen dann 15 Damen aus Tuvalu, Papua Neu-Guinea und den Solomon-Inseln und 4 Herren aus Samoa bei uns am Campingplatz ein. Sie waren schon seit vor der Pandemie in Neuseeland, haben also ihre Freunde und Familien seit 2,5 Jahren nicht mehr gesehen, ganz schön hart! Die fehlenden 17 Jungs sitzen noch in Samoa fest, da Flüge gecancelt wurden. Sie werden diese Woche erst ankommen. Drei Tage nach ihrer Ankunft bei uns testeten fünf von ihnen positiv auf Covid, was bei Paddy kurzzeitig für Panik sorgte. Aber da Covid gerade in Neuseeland wütet, mit täglich mehr als 20.000 Neuinfektionen und einer Inzidenz von knapp 2900, war das nur eine Frage der Zeit. Inzwischen ist noch ein positiver Fall dazu gekommen, und alle isolieren sich brav in ihren cabins bzw. in der Lodge und werden mit Essen und allem Nötigen versorgt, das scheint soweit ganz gut zu klappen. Zum Glück ist keiner von ihnen wirklich krank. Wir erklären ankommenden Campern im Moment die Situation, so dass sie entscheiden können, ob sie hier bleiben wollen oder nicht, aber die meisten reagieren nur mit Schulterzucken und meinen „es ist ja eh überall“.

Nachdem alle Vorbereitungen für die RSE workers abgeschlossen und diese eingezogen waren, hatte Paddy endlich Zeit, eine Wand für Sams Wohnwagen-Anbau zu bauen. Sam ist einer unserer permanents und hilft uns auf dem Campingplatz. Bisher hatte er nur eine Plane als Wand, inzwischen steht die neue, solide Holzwand, der Winter kann kommen 😉

Der Rahmen steht, das Fenster liegt schon zum Einbau bereit.
Paddy beim Sägen.
Die Wand inklusive Fenster steht!

Ein weiteres Abenteuer war mein zum Glück am Ende doch erfolgreicher Versuch, einen neuseeländischen Führerschein zu bekommen, was uns drei Fahrten nach Napier und schlappe 150 Dollar für Übersetzungen kostete, wegen falscher Auskünfte und einem in Neuseeland nicht brauchbaren internationalen Führerschein, den ich mir extra vor meiner Abreise noch hatte machen lassen. Kleiner Tipp für alle, die nach NZ kommen wollen: Spart euch das Geld! Beim dritten Anlauf war alles gut, und der Führerschein sollte in den nächsten Tagen hier ankommen 🙂

Neben all der Arbeit gab es aber auch Vergnügen: Zum Beispiel waren wir zweimal bei Matt und Berrit zum Dinner eingeladen, einmal einfach nur so, und das zweite Mal zu Matts Geburtstag. Wie immer waren es sehr vergnügliche Abende und hervorragendes Essen, alles aus eigenem Anbau!!

Paddy, Berrit und Matt.
Berrit’s neueste Errungenschaft: eine Zwiebelschäl-Brille 🙂
Matt’s Geburtstagsfeier: Berrit, Matt, Rod, Helen, Chris, Richard and Paddy.

Paddy hat seit ein paar Wochen ein neues gebrauchtes Fahrrad, das er für zwei Kisten Bier bekommen hat und das dringend ausprobiert werden musste. Und so schwangen wir uns an einem sonnigen Sonntag auf die Räder und radelten am Tukituki River entlang – das Rad ist wirklich gut! Ein zwar älteres, aber gut funktionierendes Scott Gravel Bike:

Paddy mit seinem neuen Rad auf dem Tukituki Radweg.
Der Tukituki River.
Die beiden Biker 🙂

Wenn er wählen kann, bevorzugt Paddy allerdings die motorisierte Variante, und so schwangen wir uns letzten Sonntag auf seine Harley und fuhren zum Paper Mulberry Café für einen späten Lunch:

Wie steht mir die Harley? 🙂
Die beiden Motorbiker.
Paddy genehmigt sich einen Lamb Pie.

Der einzige Sport, den Paddy je gemacht hat, ist Tennis. Und da der Tennisclub direkt nebenan ist, gingen wir an einem schönen Samstag Nachmittag einfach mal rüber und spielten mit Paula, Steve und ihrem Sohn Tommy ein Stündchen. Da außer Paddy keiner wirklich gut ist, und ich sowieso erst das zweite Mal in meinem Leben einen Tennisschläger in der Hand hatte, spielten wir ohne Regeln, damit wenigstens ein bisschen ein Spiel zustande kam. Es muss schrecklich ausgesehen haben, aber wir haben uns prächtig amüsiert! Das werde ich ab jetzt wohl öfter mal machen, vielleicht lerne ich es ja noch 😉

Steve beim Aufschlag, Paula schaut zu.
Tommy und Paddy, der mal wieder einen verunglückten Ball aufsammeln musste.
Stärkung nach dem Tennis: Paddy, Steve, Paula und ich mit Crackern und Käse. Tommy war schon nach Hause gegangen.

Ich hatte euch ja beim letzten Mal berichtet, dass ihr mich ab Juli besuchen kommen könnt. Gerade vor ein paar Minuten kam in einer der neuseeländischen Zeitungen online die Meldung, dass geimpfte Touristen aus visumfreien Ländern schon im April nach Neuseeland reisen können, ohne managed isolation oder Quarantäne (https://www.stuff.co.nz/national/politics/300542040/covid19-nz-government-to-move-tourism-opening-date-forwards-to-april)! Solltet ihr also noch nichts vorhaben, kommt vorbei! Ab April ist es möglich! Die offizielle Meldung und das genaue Datum werden morgen bekannt gegeben.

So, das wars mal wieder von mir! Ich hoffe, euch geht es gut, ihr seid gesund und munter und habt nicht zu viel Stress. Ich freue mich, von euch zu hören, auf welchem Weg auch immer! Ganz liebe Grüße von Paddy, Harvey und mir!

Eure Susi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: