Vorletzte Station in Südamerika: Santa Marta

Am Mittwoch morgen nahm ich den Bus nach Santa Marta, der statt 4 Stunden dann 6 Stunden unterwegs war, ich kam also erst um 17.30 Uhr im Hostel an. Ich hatte zwar nur faul im Bus gesessen, war aber trotzdem todmüde und beschloss, nicht mehr auszugehen. Glücklicherweise war mein Hostel mit Dachterrasse, gemütlichen Hängematten und sogar einem Restaurant ausgestattet. Der Nachteil daran war, dass ich direkt neben Dachterrasse + Bar mein Zimmer hatte, es also bis 23.30 Uhr ziemlich laut war – hat mich aber nicht sonderlich gestört, dafür war ich zu müde 😜.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf in die Stadt, um herauszufinden, ob ich den Lost City Trek noch machen kann, und ich hatte Glück! Morgen, also am Freitag, geht es los: 4 Tage Trekking durch die Sierra Nevada zur „Verlorenen Stadt“. Das wird mein letzter Mehrtagestrek in Südamerika sein, und so ganz anders als die vorherigen: heiß, schwül, jede Menge Moskitos, Berge, Regen und Matsch – freu mich riesig darauf!

Nachdem ich gebucht hatte, machte ich ein bisschen auf Tourist und sah mir an, was Santa Marta so zu bieten hat. Um ehrlich zu sein, ist es keine Katastrophe, diese Stadt nicht zu sehen, aber trotzdem hat sie ein paar schöne Ecken. Ich bin aber froh, dass ich nur 2 Nächte hier bin. Hier ein paar Bilder von Santa Marta in schönstem Sonnenschein:

😂😂😂 Der „Garten“ ist bestimmt 4 qm groß! 😂😂😂

Meine tägliche Portion frische Mango – im Becher 😊.

So, ich werde jetzt noch eine große Portion Nudeln verdrücken, um meine Kohlenhydratspeicher für morgen aufzufüllen, dann muss ich packen (ich HASSE packen!!!), duschen und ab ins Bett. Die nächsten vier Tage hört ihr nichts von mir, da bin ich in der Wildnis, ohne Internet und Telefon 😊.

Viele Grüße aus Santa Marta!

Cartagena – eine traumhaft schöne Stadt!

Am Sonntag, nur eine Nacht nach meinem Dschungeltrip, ging es um 5.30 Uhr mit dem Mototaxi zum Flughafen von Iquitos. Von dort flog ich mit Zwischenstopp in Lima nach Cartagena an der kolumbianischen Karibikküste – nach fast acht wunderschönen, ereignisreichen Wochen verließ ich also Peru, mit jeder Menge schöner Erinnerungen. Peru ist wirklich ein tolles Land! Irgendwie war ich schon ein bisschen wehmütig… 😢

Aber das änderte sich schlagartig, sobald ich in Cartagena gelandet war. Endlich wieder Karibikluft schnuppern! Das war ein Klima und ein Leben, wie ich es von Dominica her kannte: trotz der späten Stunde noch schön warm (und feucht) und überall gut gelaunte Leute auf der Straße, sicher noch mehr als sonst, da gerade der Tag der Unabhängigkeit gefeiert wurde. Zu dumm nur, dass ich todmüde war von den letzten beiden Reisetagen, zuerst aus dem Dschungel zurück nach Iquitos und heute von dort nach Cartagena. Nach erfrischender Dusche ging’s also recht früh ins Bett.

Am nächsten Morgen startete ich gemütlich mit Obstsalat und Café con Leche in den Tag, bevor ich zum Sightseeing aufbrach. Heute stand die Altstadt auf dem Programm, ich hatte schon gehört, dass sie schön, aber voller Touristen sein sollte. Und sie ist wunderschön!! Lauter gut erhaltene bzw. restaurierte Kolonialhäuser, saubere Straßen, nette Cafés, eine teilweise begehbare Stadtmauer mit Blick aufs Meer – ein Traum! Und das allerbeste: es war sehr wenig los, da heute ein Feiertag war und die meisten Läden geschlossen hatten. Hier ein paar Eindrücke:

Plaza de la Santísima Trinidad.

Plaza de la Aduana.

Straßen mit Kolonialgebäuden in der Altstadt.

Torre del Reloj, Eingang zur Altstadt.

Catedral de Santa Catalina de Alejandría.

Keine Ahnung, welche Kirche das ist, aber schön ist sie 😉.

Säulengang im ehemaligen Zollhaus am Plaza de la Aduana.

Skulptur in einem der vielen, kleinen Parks.

Parque India Catalina.

Eine der vielen Skulpturen aus Metall am Plaza San Pedro Claver.

Monumento India Catalina – blöderweise waren da immer irgendwelche Touris, die hochlaufen und Selfies machen mussten, so dass ich es nach 15 Minuten aufgab, die Statue ohne Menschen zu fotografieren.

Außenfassade einer Kneipe.

Muelle de Los Pegasos.

Ich fand die Pflanze vor den Kolonialgebäuden und den Fahnen so toll 😃.

Palmenbewachsener Park vor dem Centro de Convenciones.

„A bird rules the world“ 😂 – Skulptur mit zwei Vögeln drauf am Meer.

Skyline vom Stadtteil Bocagrande kurz vor Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang über dem karibischen Meer.

Die beleuchtete Kathedrale.

Nach sechs Stunden Sightseeing in brütender Hitze hatte ich genug und kehrte zum Hostel zurück, um noch etwas zu essen, zu duschen und todmüde ins Bett zu fallen.

Am Dienstag wollte ich eigentlich auf den einzigen Hügel der Stadt, den Cerro de la Popa, hinauflaufen, auf dem sich ein Kloster befindet – weniger wegen des Convento, sondern mehr wegen der Aussicht auf die Stadt. Doch nachdem mir beide Hostelmitarbeiter abrieten, weil die Gegend dort nicht sicher ist und es häufiger Überfälle gibt, entschied ich mich schweren Herzens dagegen – und auf Taxifahren hatte ich keine Lust. Stattdessen entschied ich mich dafür, zum Castillo de San Felipe de Barajas, dem größten Fort in Südamerika, zu laufen und dieses zu besichtigen. Schon von weitem sieht man es über der Stadt thronen.

Am Eingang besorgte ich mir neben der Eintrittskarte auch einen Audioguide (und wurde von dem Typen am Schalter hemmungslos angeflirtet, er erklärte mir möglichst umständlich und in epischer Breite den selbsterklärenden Audioguide, aber war sehr nett 😂). Dann ging meine zweistündige Erkundungstour des riesigen Baus los. Am faszinierendsten fand ich das bisher nur zum Teil entdeckte Tunnelsystem unter dem Fort, das alle Bereiche irgendwie miteinander verbindet. Hier ein paar Fotos vom Castillo bzw. der Aussicht von dort auf die Stadt:

Nach einer kurzen Mittagspause, in der ich mein Blätterteiggebäck von gestern aß, machte ich mich auf den Weg nach Bocagrande, einem Stadtviertel mit sehr vielen großen Hotels und eher wohlhabenden Menschen. Zuerst lief ich ein wenig an der Strandpromenade entlang, bis ich irgendwann aufs Klo musste. Glücklicherweise war ganz in der Nähe ein großes Einkaufszentrum mit sehr sauberen Toiletten – und weil ich schonmal da war (und shoppen hasse), nutzte ich die Gelegenheit, um einen großen Eisbecher zu essen und den Ausblick von der dortigen Terrasse zu genießen:

Ein letzter Blick auf die Skyline von Bocagrande:

Da es immer dunkler am Himmel wurde, machte ich mich relativ bald auf den Heimweg – leider zu spät! Es schüttete wie aus Eimern und ich mittendrin, so dass ich tropfnass im Hostel ankam. Aber der Regen hier ist warm, so dass das nicht wirklich schlimm ist. Den Rest des Abends verbrachte ich mit Lesen und Blog schreiben, da es den ganzen Abend (mit ein paar Pausen) regnete und gewitterte.

Morgen geht es weiter nach Santa Marta und zum Tayrona National Park – ich hoffe, ich kann spontan noch eine Trekkingtour zur berühmten Ciudad Perdida, der verlorenen Stadt, buchen… Drückt mir mal die Daumen! 😉

Viele Grüße aus Cartagena!

Abenteuer im Dschungel – Vorankündigung

Da meine Kamera leider ihren Geist komplett aufgegeben hat, und so ein Blog ohne Bilder ziemlich langweilig ist, werde ich den Blogbeitrag nachreichen. Zum Glück hatten wir mit Annabel eine halbprofessionelle Fotografin dabei, und so kann ich, sobald sie die Bilder hochgeladen hat, ein weiteres Highlight der Blogschreibekunst inklusive genialer Fotos posten 😜. Freut euch also schonmal darauf!

Nur so viel vorab: es war genial im Dschungel, und ich wäre gerne noch ein paar Tage länger geblieben! Die Moskitos gaben sich zwar alle Mühe, uns den Spaß zu verderben, aber das gelang ihnen (zumindest bei mir) nicht – zu interessant war die Tier- und Pflanzenwelt hier! Aber Genaueres dann, sobald ich Bilder habe 😊.

Viele Grüße inzwischen aus Cartagena / Kolumbien 🇨🇴 !

Dschungelstadt Iquitos

Iquitos ist mit fast einer halben Million Einwohnern die größte Stadt, die nicht mit dem Auto erreichbar ist, sondern nur per Flugzeug oder Schiff. Das Klima hier ist schwül-heiß, und man schwitzt bei der kleinsten Anstrengung (manchmal auch einfach beim Sitzen). Die Stadt selbst hat nicht viele wirkliche Sehenswürdigkeiten, aber trotzdem die ein oder andere schöne Ecke. Da meine Dschungeltour erst am Dienstag startete, hatte ich vier Tage Zeit, die Stadt zu erkunden. Hier ein paar Eindrücke:

Kirche an der Plaza de Armas.

Plaza de Armas.

Casa de Fierro – ein Haus aus Eisen, das Gustav Eiffel gebaut hat.

Die allgegenwärtigen Mototaxis, die nicht nur für günstigen Transport, sondern auch für jede Menge Lärm und lebensgefährliche Straßenüberquerungen sorgen!

Plaza 28 de Julio.

Ausblick auf den Fluss in der Ferne, im Vordergrund ein paar Hütten des Armenviertels Belén.

Ausblick vom Malecon (Uferpromenade) aus.

Und mitten im Grünen „parkt“ ein Schiff.

Am Malecon: Kunst mit Durchblick 😜.

Und in der Kunst schwimmt eine riesige Kröte…

Malecon.

Geflieste Häuser in Iquitos.

Freitag und Samstag schaute ich mir ausgiebig die Stadt an, unter anderem auch die einzige echte Sehenswürdigkeit, den Mercado Belén. Leider habe ich keine Fotos gemacht. Weil dort angeblich sehr viel gestohlen wird, wollte ich meine Kamera nicht mitnehmen. Deshalb müsst ihr mit einer Beschreibung vorlieb nehmen: der Markt ist riesig und es gibt alles, was man sich nur vorstellen kann: Obst, Gemüse, Fleisch, Klamotten, Haushaltssachen usw. Es gibt aber auch ungewöhnliches: Schlangen- oder Caimanköpfe, verbotenes Fleisch und Fisch, lebendige Dschungeltiere, alles Mögliche an Tinkturen und Getränken, verschiedene Baumrinden und und und. Sehr interessant, aber auch unglaublich schmutzig, und es stinkt ohne Ende, v.a. wo Fleisch verkauft wird. Nach Regen steht die (nicht geteerte) Straße unter Wasser und es ist schlammig, und man läuft durch jede Menge Müll und Abwasser – alles andere als appetitlich. Und zwischendrin wird fleißig Essen verkauft… Ich habe es dort ungefähr eine Stunde ausgehalten, dann musste ich da raus, der Gestank war einfach zu krass. Trotzdem ist der Markt definitiv einen Besuch wert.

Am Sonntag hab ich den ganzen Tag nur gefaulenzt, in einer Hängematte auf der grandiosen Dachterasse meines Hostels. Tat auch mal gut 😊.

Am Montag kam Beth, eine Engländerin, die in Kanada lebt, im Hostel an. Sie war eine der mit mir fünf Personen, die zusammen die Dschungeltour machen würden. Da wir beide noch Sachen dafür brauchten, gingen wir zusammen shoppen und ich zeigte ihr noch ein bisschen die Stadt – ich kannte mich ja schon aus 😜. Abends lernten wir dann die anderen drei kennen: Maria aus Deutschland und das deutsch-holländische Pärchen Annabel und Ben. Nach dem gemeinsamen Briefing und Gummistiefel-Anprobieren für die Tour gingen Maria, Beth und ich noch zum Essen in ein Chifa-Restaurant, wo es riesige Portionen gab, und keiner konnte alles essen. Francia, volunteer im Hostel, freute sich über die Reste – wahrscheinlich hat sie die ganze restliche Woche nichts anderes gegessen 😂.

Am Dienstag sollte es um 5.00 Uhr losgehen, deshalb ging es halbwegs früh ins Bett, direkt nach dem Packen unserer drei Habseligkeiten für die fünf Tage Dschungel (nur ein kleiner Rucksack). Bin gespannt auf die Wildnis!

Viele Grüße aus Iquitos!

🎵 Eine Bootsfahrt, die ist lustig, … 🎶

Am Dienstag Morgen stand ich gemütlich um 9.00 Uhr auf, duschte nochmal (die nächsten mindestens 3 Tage würde es keine Dusche geben), frühstückte in aller Ruhe und nahm mir dann ein Mototaxi zum 7km-entfernten neuen Hafen. Dort angekommen, wurde ich sofort von einem Hafenarbeiter zu einem uralten, großen Kahn geschleift, auf dem nur sehr wenig Platz für Passagiere war, aber jede Menge für Transportgut. Da das Boot nicht das war, was ich vom Internet her kannte, versuchte ich den Typen in meinem schlechten Spanisch zu fragen, ob es denn nicht noch ein anderes Boot gäbe. Nach einigem Hin und Her verstand er, meinte aber, dies sei das einzige Schiff, das heute fahren würde. Na gut, was soll’s. Er spannte hilfsbereit meine Hängematte zwischen die schon vorhandenen und wartete dann darauf, dass ich ihn bezahlte. Ich gab ihm schließlich 10 Soles für seine Mühe und er zog zufrieden ab, während ich einen Platz für meinen Rucksack suchte und mich mit meiner neuen „Umgebung“ vertraut machte. Hier ein Bild von dem Kahn vom „Passagiersdeck“ aus:

Unser Schiff, schon fast voll beladen, im Hafen. Unter der Plane war alles Mögliche an Baumaterial (v.a. Säcke mit Sand usw.), die beiden LKWs und bestimmt 30 Kühe.

Ich hatte einen Platz direkt neben der Küche auf dem ersten Deck gefunden, zusammen mit einer 6-Köpfigen Familie, einem jungen Pärchen und einem Typen, der geschäftlich nach Iquitos musste. Auf dem zweiten Deck waren nochmal vielleicht 10 Passagiere, unter anderem noch drei Ausländer: ein Chilenisch-tschechisches Pärchen und ein Engländer – die einzigen auf dem Boot, die Englisch sprachen. Auf dem dritten Deck residierte der Käpt’n, und man konnte dort einfach sitzen und die Aussicht genießen. Die Toiletten fand ich nach einer Weile im „Erdgeschoss“, ganze zwei an der Zahl (nur eines hatte ein Waschbecken dabei), und sie waren mega-eklig: kein Sitz, superdreckig, ohne Spülung – und einige Benutzer verstanden nicht, warum ein Wassereimer da rum stand und wie er zu benutzen war… und der Gestank war bestialisch. Naja, sehr authentisch… und für drei Tage würde es schon gehen. Ich erspare euch hier Bilder davon… 😖.

Nach der Erkundung des Bootes schaute ich ein wenig beim Beladen des Schiffes zu:

Ziemlich moderner Ladekran im neuen Hafen, links Nebendarsteller die Maschinen, die dann aufs Schiff verladen wurden.

Beim Verladen einer der Maschinen.

Die Kühe zwischen LKWs und Sandsäcken.

Meine Hängematte kurz nach meiner Ankunft, unter ihr die beiden jüngsten Kids der Familie, Mama und Tochter im Vordergrund.

Eine Weile später hatten sich die Schlafplätze und das Gepäck (zusammen mit den dazugehörigen Menschen) vermehrt, und die Familie hatte beschlossen, ihr Bett unter meiner Hängematte zu platzieren… 😜.

Die Matrosen vom Nachbarschiff: nette Schäkerei zum Zeitvertreib 😊.

Man hatte mir gesagt, dass das Schiff um 15.00 Uhr fahren würde, aber Zeit ist hier relativ. Um 18.00 Uhr war klar, dass es heute gar nicht mehr fahren würde, woraufhin einige Leute das Schiff wieder verließen, die meisten blieben aber, ich auch. Das Auf-dem-Schiff-Schlafen war auch gar kein Problem, aber Essen bekamen wir nicht, das würde es erst auf der Fahrt für uns geben. Rund um den Hafen gab es gar nichts, und der Ort war 7km entfernt. Ich war froh, dass ich vorher nicht nur einen 5-Liter-Kanister Wasser, sondern auch Obst und Kekse besorgt hatte, so hatte ich wenigsten ein Abendessen, das Pärchen aus Chile und Tchechien hatte nichts dabei (ich teilte meine Kekse mit ihnen). So schlief ich also meine erste Nacht in der Hängematte noch im Hafen – und stellte fest, sonderlich bequem ist das nicht, v.a. wenn man normalerweise auf dem Bauch schläft… Vorher hatte ich überlegt, was ich mit meinen Wertsachen machen sollte. In sämtlichen Reiseblogs wird empfohlen, mit dem Rucksack in der Hängematte zu schlafen, aber es war ja eh schon relativ unbequem. So packte ich lediglich meinen Pass, meine Kreditkarten und mein Geld in meinen Brustbeutel, den ich die ganze Reise um den Hals trug. Alles andere ließ ich, häufig „unbewacht“, im Rucksack und dachte mir, wir sind so wenige Passagiere, und die Familie war die ganze Zeit da, da würde schon nichts weg kommen. Vielleicht war ich da ein bisschen sehr sorglos, aber Tatsache ist, dass tatsächlich nichts weg kam.

In der Früh um 5.30 Uhr ging es dann endlich los. Hier ein paar Eindrücke meines Abenteuers auf dem Boot:

Mittags gab es dann das erste Essen aus der Bordküche. Hierfür muss jeder einen eigenen Teller bzw. Tupperdose und Besteck dabei haben, man stellt sich brav in einer Reihe an und bekommt, wenn man dran ist, jede Menge Reis, eine Kochbanane, viel zu wenig Soße und ein kleines Stückchen Huhn aufgeladen, also sehr einfaches Essen, aber mehr als reichlich. Ich konnte nicht alles essen und hab den trockenen Reis an meinen Hängemattennachbarn weitergereicht, der sich erfreut drüber her machte. Den größten Teil der Zeit auf dem Boot verbrachte ich mit Auf-das-Wasser-und-die Küste-Schauen bei trockenem Wetter und Lesen bei Regen – und davon hatten wir leider reichlich! Dieses sehr eintönige, aber superentspannte Bordleben wurde am Mittag des ersten Tages kurz durch einen Unfall belebt: das Boot wurde von der Strömung in das Ufer getrieben und fällte 2 Bäume:

Nachdem es den halben ersten Tag geregnet hatte, klarte es gegen Abend auf und wir bekamen einen wunderschönen Sonnenuntergang zu sehen.

Zwei der Crewmitglieder (so ziemlich die einzigen, die mich nicht angegraben haben 😜).

Ich im Sonnenuntergang auf dem Oberdeck.

Sonnenuntergang am Amazonas und im Folgenden ein paar Experimente mit der Kamera:

Nachts änderte sich das Wetter und wir wurden unsanft von einem Gewittersturm geweckt, der unsere Sachen inklusive Hängematten durchnässte, bevor die Regenplanen runtergelassen waren. Überhaupt war es überraschend kalt auf dem Boot, v.a. Nachts. Nachdem es in Yurimaguas so heiß gewesen war, war ich völlig überrascht davon, dass ich lange Sachen anziehen musste und trotzdem fror. Da half die Nässe natürlich nicht wirklich…

Anders als das Schiff der Gesellschaft „Eduardo“, das ich eigentlich nehmen wollte, legte unser Schiff nicht zwischendurch an kleinen Amazonasdörfern an. Wenn jemand unterwegs irgendwo aussteigen wollte, wurde er mit dem kleinen Beiboot hingefahren. Unser erster und einziger Zwischenstopp war Nauta, ein kleiner Ort schon relativ nahe an Iquitos dran. Hier der Hafen von Nauta:

Und dann war da wieder nur noch braunes Wasser und grüne Küste, soweit das Auge reichte, sehr meditativ:

Nachts um 23.00 Uhr kamen wir, nach nur zwei Tagen und einer Nacht Fahrt (statt 3 Tage und zwei Nächte) in Iquitos an – der Hafen sah ziemlich dunkel aus und Häfen sind ja sowieso generell eher nicht so die sichersten Orte, weswegen ich beschloss, die Nacht nochmal an Bord zu schlafen. Das machten übrigens alle Leute so, von daher war es wahrscheinlich das Beste. Ach ja, Abendessen gab es übrigens keins mehr, das Essen war aus 😂.

Morgens um 6.00 Uhr brachte uns ein kleines Taxiboot ans Ufer, von wo aus ich ein dort wartendes Mototaxi zum Hostel nahm – ich freute mich schon sehr auf ein sauberes Klo, eine Dusche mit sauberem Wasser (an Bord hätte man mit Amazonaswasser duschen können, worauf ich schon allein wegen der braunen Farbe gerne verzichtete), Frühstück und ein richtiges Bett. Und alles bekam ich gleich nach meiner Ankunft dort 😊. Leider konnte ich kein Foto mehr vom Hafen und unserem Schiff machen, da meine Kamera im Sturm nass geworden war und kurzzeitig den Dienst versagte.

Fazit: die Bootstour war für mich schon ziemlich abenteuerlich und eindrucksvoll, und vieles habe ich sehr genossen, wie z.B. die viele Zeit zum Nichtstun bzw. Lesen oder die (wegen sprachlicher Schwierigkeiten sehr einfachen) Gespräche mit den anderen Leuten auf dem Boot, oder auch die Sonnenuntergänge. An die hygienischen Verhältnisse gewöhnt man sich bzw. man kann sie für die kurze Zeit in Kauf nehmen. Missen möchte ich die Erfahrung auf keinen Fall, aber nochmal machen würde ich es eher nicht, zurück nehm ich den Flieger 😎.

Viele Grüße aus dem schwül-heißen Iquitos im peruanischen Dschungel!

Hafenstadt Yurimaguas

Seit gestern (und wenn alles gut geht auch nur noch heute) bin ich in der brütend heißen, schwülen Stadt Yurimaguas am Rio Huallaga. Ich hatte eine interessante, wenn auch sehr beengte Minibusfahrt hierher, denn ich saß neben zwei jungen missionaries, einer aus den USA und einer aus Ecuador, die gerade für ein Jahr hier in Peru sind. Nachdem ich noch nie einen Missionar getroffen habe, nutzte ich die Gelegenheit und quetschte sie aus über ihre Arbeit und wie man überhaupt dazu kommt, Missionar zu werden. War sehr interessant und dadurch war die 3-stündige Busfahrt auch ziemlich kurzweilig.

In Yurimaguas angekommen, wurde der Bus sofort von mindestens 20 Mototaxi-Fahrern bestürmt (im wahrsten Sinne des Wortes!), und ich nahm mir gleich eins zu meinem Hostal. Nach dem Einchecken nutzte ich das dazugehörige Restaurant und bekam eine riesige Portion Reis mit Fisch, ich hatte aber auch Riesenhunger! Hier ein erster Blick auf den Fluss (und das Armenviertel):

Netterweise riefen die Hostalbesitzer einen Freund an, der extra vorbei kam, um mir alles Wichtige zu der geplanten Bootsfahrt nach Iquitos und was ich dafür brauchen würde zu erzählen – auf Spanisch natürlich. Hier im Norden sprechen nicht viele Leute Englisch, d.h. ich muss mich hier wirklich mit meinem bruchstückhaften Spanisch durchkämpfen 😜. Danach machte ich mich auf, um die benötigten Dinge wie Hängematte, Wasserkanister, Obst + Snacks und Tupperdose auf dem Markt zu kaufen und mir gleichzeitig die Stadt ein wenig anzusehen.

Kirche am Plaza de Armas.

Plaza de Armas.

Innenstadt und für hier typisches Mototaxi.

Da es aber immer dunkler wurde und die Händler auf dem Markt hektisch begannen, ihre Stände wasserdicht abzudecken, machte ich mich dann ganz schnell auf den Rückweg und erreichte noch vor dem Gewitter mein Hostal. Hier der Blick auf den Fluss vor dem Gewitter:

Heute werde ich versuchen, ein Bootsticket nach Iquitos zu ergattern, in der Hoffnung, dass das Boot auch heute noch fährt… Offiziell fährt es jeden Tag, aber in Wirklichkeit immer nur, wenn es wirklich voll ist. Mal sehen, bin ziemlich gespannt! Die Fahrt dauert 3-4 Tage, also macht euch keine Sorgen, wenn ihr ein paar Tage nichts von mir hört – auf dem Schiff gibt’s kein Internet😜.

Viele Grüße aus Yurimaguas!

Tarapoto – willkommen in der Hitze!

Am Freitag kam ich nach 9-stündiger, sehr beengter und unbequemer Fahrt im Minibus in Tarapoto an. Tarapoto hat zirka 100.000 Einwohner und liegt quasi zwischen den Anden und dem Dschungel, nur noch auf zwischen 250 und 500m. Das Klima hier ist tropisch, d.h, es ist sehr feucht und hat um die 32 Grad – endlich richtig warm! Nicht nur vom Klima, sondern auch von der grünen Umgebung her erinnert es mich sehr an Dominica. Sobald ich ankam, hörte ich nicht mehr auf zu Schwitzen, selbst wenn ich nichts tat – mein Körper muss sich erstmal wieder an Wärme gewöhnen, schließlich hatte ich das seit Juli nicht mehr!

Am Samstag tat ich, außer ein bisschen Stadtbesichtigung, gar nichts, sondern lag faul in kurzer Hose und T-Shirt (soooooo schön!!!) im Hostelgarten rum und hab gelesen – ein Traum, diese Wärme!

Die Stadt selbst hat nicht viel zu bieten. Ein großer Unterschied zu den anderen Städten bisher ist, dass es hier kaum Autos gibt, dafür aber jede Menge Mototaxis, Motorräder, Mopeds und Roller – die Straßen sind voll davon, quasi jeder fährt hier auf zwei motorisierten Rädern, was aber auch dementsprechend laut ist. Deshalb bin ich mit meinem Hostel etwas außerhalb sehr glücklich, hier ist Ruhe 😊.

Hier ein paar Eindrücke von Tarapoto:

Typische Straße mit jeder Menge Mototaxis u Motorrädern.

Innenstadt.

Plaza de Armas.

Am Sonntag wollte ich mal wieder ein bisschen Wandern gehen – in der näheren Umgebung von Tarapoto, und deswegen kommt man überhaupt hierher, gibt es zahlreiche Wasserfälle und jede Menge Natur, alles ist grün oder blüht in auffälligen Farben. Ca 5 km nördlich von Tarapoto, also fußläufig zu erreichen, liegt das Naturschutzgebiet Alto Shilcayo, direkt an/in der Cordillera Escalera. Das war mein Ziel bzw. ein Wasserfall dort, der Catarata de la Novia, der mit ein bisschen Phantasie wie ein Brautkleid aussieht, deshalb der Name. Zunächst musste ich jedoch durch die Stadt laufen und ein paar Kilometer aus der Stadt raus. Sobald ich aus der Stadt raus war, wurde es grün:

Zwischen dem ganzen Grün gab es auch immer wieder bunte Blüten:

Am Eingang des Naturschutzgebietes angekommen, erklärte mir ein freundlicher, älterer Herr den Weg (das Wichtigste hab ich verstanden), zusätzlich machte ich noch ein Foto von der „Karte“ am Eingang, und dann ging’s los.

Da der Typ mit keinem Wort einen Guía (=Guide) erwähnte, dachte ich, es sei leicht zu finden – weit gefehlt! Das Gebiet ist riesig, und man muss ständig durch den Fluss laufen, d.h. man sieht nicht, wo der Weg ist. Schilder gibt es natürlich keine. Logischerweise verlief ich mich dann auch. Nach einer Weile kamen mir drei Männer entgegen, die mich fragten, wo ich hinwolle. Als ich ihnen den Wasserfall nannte, schüttelten sie den Kopf – falsche Richtung! Einer von ihnen, Nehemias, kurz Nemi, hatte dann entweder Mitleid oder gerade nichts Besseres zu tun und beschloss, mich dorthin zu begleiten. Ich war so froh! Den Weg hätte ich nie gefunden!!! Es ging hin und her zwischen den beiden Flussufern, bestimmt 15x durch den Fluss und wieder hinauf auf einen Berg. Super-abenteuerlich und bei der Hitze auch ziemlich anstrengend!

Mein Retter Nemi 😃.

Nach weiteren 2 Stunden waren wir dann da, und netterweise brach die Gruppe, die schon dort war, gerade wieder für den Rückweg auf, als wir ankamen. So hatten wir den Wasserfall + Pool ganz für uns alleine und konnten ausgiebig baden. Es war super! Baden mitten im Dschungel, mitten in der Natur, in einem Pool mit Wasserfall!! So Dominica-like! 😊

Ich teilte meine Müsliriegel brüderlich mit Nemi und wir verbrachten bestimmt zwei Stunden dort. Da Nemi kein Englisch konnte, verlief die Unterhaltung ziemlich stockend (my Spanish sucks!), aber so musste ich wenigstens mal üben – und er war sehr geduldig und formulierte immer wieder um, wenn ich ihn nicht verstand. Nach ausgiebigem Bad und Trocknen in der Sonne brachen wir für den Rückweg auf. Nemi kannte einen anderen Weg, der uns zunächst zu einem Refugio für Affen brachte. Die Affen sind hier frei im Wald unterwegs, während die Pfleger (?) in einem eingezäunten Raum sind. Auf dem Weg zu dieser eingezäunten Küche hüpften gleich mal drei Affen auf mich drauf und belagerten mich, bis ich mich in die Küche retten konnte. Dann hingen sie außen am Gitter und beobachteten, was in der Küche so vor sich ging.

Wir wurden von einem älteren Herrn, dem Boss, und einem Volunteer aus Frankreich empfangen, der Englisch konnte und mir erklärte, dass hier kranke Tiere und verlassene Jungtiere gepflegt werden, bis sie wieder alleine leben können. Außerdem bekamen wir einen leckeren Kaffee – sehr nett!

Danach ging es wieder zurück, erst seeeehr steil und relativ lange einen Berg hinauf, dann auf der anderen Seite hinunter. Nach weiteren 2 Stunden waren wir zurück am Eingang des Parks, und Nemi bot mir an, mich mit seinem Motorrad zum Hostel zu fahren. So cool! Der Fahrtwind war superangenehm, und nach einem kurzen Zwischenstopp an einer Bar, wo ich ihn auf ein Getränk zum Dank einlud, kam ich heil und sicher wieder im Hostel an. Was für ein cooler Tag! Und was für ein netter Typ!

Morgen geht es weiter hinein in den Dschungel, nach Yurimaguas. Von dort nehme ich ein Boot nach Iquitos.

Viele Grüße aus der Hitze von Tarapoto (ich schlafe hier ohne Decke! Die ganze Zeit vorher hab ich mehrere Decken gebraucht! So cool!)!