Hiking um Chachapoyas herum

Nach Ausschlafen und gemeinsamem Frühstück im „Café Fusiones“ machten Leonie und ich uns am Mittwoch mit dem Collectivo auf den Weg zum Dorf Huancas. Dort gibt es einen Aussichtspunkt über den Sonche Canyon, und von dort kann man am Canyonrand entlang zu noch einem anderen Mirador laufen. Gesagt getan:

Mirador Sonche Cañon.

Blick vom Mirador in den Canyon hinein.

Susi am Abgrund… keine Angst, ich bin nicht suizidgefährdet 😜.

Der Weg am Canyon entlang, schwindelfrei musste man dafür schon sein.

Meine Kuélap-Bekanntschaft Leonie.

Chachapoyas by Night.

Abends wieder zurück in Chachapoyas beschlossen wir, die beim Wandern verbrannten Kalorien mit Pizza aufzufüllen. Leonies Gastgeber vom Couchsurfing traf uns hierzu in der besten Pizzeria der Stadt (Pizza war okay…) und wir verbrachten einen vergnüglichen Abend mit Gesprächen rund um Peru und Ländervergleichen zwischen Deutschland und Peru. Da ich am nächsten Tag jedoch früh raus wollte, verabschiedete ich mich so um 22.00 Uhr von den beiden. Während bei mir eine Wanderung anstand, würde Leonie nach Tarapoto weiterfahren.

Pünktlich um 5.00 Uhr klingelte der Wecker, damit ich den ersten Bus um 6.00 Uhr zu den Gocta-Wasserfällen erwischen würde. Zwar wurde die Tour auch vom Hostel angeboten (organisatorisch natürlich viel einfacher und gemütlicher), aber erstens hatte ich keine Lust, mit 20 anderen in einer Gruppe zu laufen und zweitens wollte ich die große Runde zu beiden Wasserfällen machen, die organisierten Touren gehen jedoch nur zu dem unteren.

Das Collectivo nach Pedro Ruiz setzte mich an der Kreuzung zur Straße nach San Pablo ab, von wo ich ein Mototaxi bis ins Dorf hinauf nahm – sehr holprige und stinkende Angelegenheit, aber erfüllte ihren Zweck. Nach Eintrittzahlen im Tourismusbüro ging es gegen 7.30 Uhr los. Man hatte mir gesagt, dass die Wanderung um die 8 Stunden dauern würde, und ich hoffte, dass dann noch Collectivos zurück nach Chachapoyas fahren würden…

Aber diese Sorge vergaß ich sehr schnell – die Wanderung war einfach toll! Es ging durch wunderschöne grüne Landschaft (davon hatte ich bisher noch nicht so viel) bei Sonnenschein und warmen Temperaturen (über 20 Grad!), und zwischendurch eröffneten sich atemberaubende Ausblicke.

Erste Ausblicke gleich am Anfang der Tour von San Pablo aus.

So sah der Weg stellenweise aus.

Panoramablick.

Der Weg war gut ausgeschildert, weswegen man die Tour gut ohne Guide machen konnte.

Eine Hängebrücke – ich liebe sie! Und davon gabs drei Stück auf dem Hike.

Der Weg kurz vor dem oberen Wasserfall schlängelt sich an den Felsen entlang.

Das letzte Stück gehts mit einer ziemlich steilen Leiter nach oben.

Und dann steht man vor dem oberen Wasserfall, der 290m hoch ist. In der Regenzeit im Februar/März ist er sicher noch beeindruckender.

Unterwegs gabs nicht nur schöne Ausblicke, sondern auch schöne Pflanzen.

Für das erste Teilstück hatte ich etwas mehr als eineinhalb Stunden gebraucht, war also ziemlich schnell unterwegs. Aber es ist ja auch so viel leichter auf einer Höhe von 1900m – die letzten Wochen war es immer 2000-3000m höher! Ich kletterte noch ein bisschen auf den Steinen rum und machte danach Frühstückspause – bisher war ich ganz alleine unterwegs, traumhaft! Danach brach ich auf zum zweiten Wasserfall. Dafür geht es ziemlich steil den Berg hinunter, was aber kein Problem war, da es trocken war. Bei Regen ist das sicher kein Vergnügen! Nach nichtmal 1,5 Stunden war ich dann da:

Das Flüsschen kurz vor dem zweiten Wasserfall.

Der untere Wasserfall – stolze 500m hoch!

Der Pool lud mich jetzt nicht so zum Baden ein… Hier musste ich mir den Anblick mit noch einem anderen Besucher teilen, der wohl seiner Gruppe enteilt war.

Nach einer weiteren Pause und ausführlicher Wasserfallerkundung, und weil dann doch die ersten Leute der organisierten Touren eintrafen, machte ich mich auf das letzte Teilstück nach Cocachimba. Hier wurde es jetzt voll, mir kamen die ganzen Reisegruppen in mehr oder weniger guter Verfassung (es ging schon ordentlich rauf und runter) entgegen. Das letzte Stück hatte es nochmal in sich, es ging ca 500hm am Stück bergauf. Verschwitzt und zufrieden kam ich in Cocachimba nach weiteren nicht ganz 1,5 Stunden an, insgesamt hatte ich mit einer Stunde Pause 5,5 Stunden gebraucht. Leider gab es um diese Zeit kein Mototaxi, so dass ich weitere 1,5 Stunden zurück zur Kreuzung laufen musste. Dort wartete eine Frau mit Kind und Opa ebenfalls auf den Bus. Als ein Auto vorbei fuhr, hielt sie es an und fragte für mich mit, ob der Fahrer uns nach Chachapoyas mitnehmen würde, was der auch tat! Sehr cool, ich wäre nie allein per Anhalter gefahren, aber so sparte ich mir eine wahrscheinlich lange Warterei auf den nächsten Bus!

Blick auf die Goctafälle von der Ferne aus.

Blick ins Tal und auf die letzten paar hundert Meter bis zum Dorf.

Zurück in Chachapoyas besorgte ich mir erstmal mein Busticket nach Tarapoto für morgen und ging einkaufen. Zurück im Hostel gab es eine (wieder kalte 😖) Dusche, und dann folgte der peinlichste Moment seit langem: ich hatte gerade mein Abendessen verspeist (nachdem ich den ganzen Tag zugegebenermaßen nicht viel gegessen hatte), als mir plötzlich schwindelig wurde und ich dringend aufs Klo musste. Ich hatte schon seit gestern Abend ein bisschen Bauchweh, aber nicht wirklich schlimm. Ich wartete kurz, aber der Schwindel wurde nicht besser, und dann dachte ich, es sei eine gute Idee, jetzt zur Toilette zu gehen… woraufhin ich mich am Boden wiederfand, umringt von bestimmt 10 besorgten Leuten. José, der Chef des Hostels, ließ mich erstmal auf seine Couch schleppen und kümmerte sich rührend um mich (inklusive Moralpredigt, dass man beim Hiken doch ordentlich essen muss). Sooooo peinlich!!! Kurz darauf war wieder alles in Ordnung – keine Ahnung, was das war. Ich war dann ganz froh, dass ich am nächsten Tag ganz früh abreisen würde, so würde ich keinen mehr sehen, voll peinlich! Meinem Bauch gehts auch wieder gut 😊.

Morgen gehts nach Tarapoto weiter, dann wird’s richtig warm. Freu mich schon!

Viele Grüße aus Chachapoyas!

Kuelap – das Machu Picchu von Nordperu

Am Montag kam ich morgens um 7.00 Uhr in Chachapoyas an. Mein Zimmer im Hostel (jaaaa, nochmal Luxus mit Einzelzimmer! 😜) war schon frei, so dass ich mich erstmal noch ein Stündchen hinlegen konnte – Nachtbusschlaf ist halt doch nicht der Beste. Gegen Mittag machte ich mich dann auf, das Städtchen Chachapoyas zu erkunden. Da es nicht sehr groß ist, war das auch innerhalb der nächsten zwei Stunden geschehen… zuerst machte ich mich auf zur Plaza de Armas, die leider gerade Baustelle und dekorativ von einem grünen Zaun umgeben ist. Die Kolonialhäuser um den Platz herum sind aber auch ganz nett:

Danach machte ich mich auf den Weg zum Mirador de Luya Urco und dem Pozo de Yanayacu, einer heiligen Quelle. Dafür ging es natürlich einen Berg bzw. etliche Stufen bergauf, wie sollte man sonst einen Ausblick haben?

Nach dem Spaziergang war ich ziemlich hungrig, und so kehrte ich in das nett eingerichtete Café Fusiones zum späten Lunch ein – Salat (yayy, gibts hier nicht so häufig, damit haben es die Peruaner nicht so) und Juane, ein Maniokkloß mit Huhn- und Erdnussfüllung – sehr lecker!

Dann ging es nach weiterem Stadtbummel zurück zum Hostel und früh ins Bett, schließlich hatte ich für den nächsten Tag eine Kuelaptour gebucht, die um 6.00 Uhr starten sollte.

Pünktlich um 6.00 Uhr am nächsten Tag fuhren wir, eine 12er Gruppe mit 4 Deutschen, 2 Spaniern und 6 Peruanern und einem Spanisch-Englisch-sprachigen Guide (das „Englisch-sprachig“ war allerdings sehr begrenzt) in einem Minibus ca 1 Stunde nach Nuevo Tingo, wo wir erstmal frühstückten und dann eine gefühlte Ewigkeit warteten, bis wir um 10.00 Uhr endlich zuerst mit einem Bus zur Seilbahnstation und dann mit der Seilbahn hoch nach Kuelap gekarrt wurden.

Die Seilbahn nach Kuelap: man beachte die durchnummerierten gelben Punkte am Boden, auf die wir uns brav stellen mussten, damit auch ja genau 8 Leute in die Gondel steigen 😜.

Ausblick aus der Gondel.

Eigentlich war das schon für 9.00 Uhr geplant, aber die Busse konnten erst um 10.00 Uhr fahren, weil bis dahin (und ab 14.00 Uhr wieder) an diesem Tag die Straße wegen Bauarbeiten gesperrt war. Zusätzlich gab es eine zweite Baustelle mit Straßensperrung von 7.00 – 13.00 und 14.00 – 18.00 Uhr auf der Straße nach dem Dorf Nuevo Tingo, weshalb wir schon um 6.00 Uhr früh losgefahren waren. Leider bedeutete das, dass wir in Kuelap selbst nur ca 2 Stunden Zeit hatten, alles anzuschauen, bevor die Straße wieder gesperrt war. Außerdem konzentrierte sich der Besucheransturm, der sich normal über den ganzen Tag verteilt, auch auf diese zwei Stunden, so dass man zeitweise ein echtes Machu Picchu-Gefühl hatte, weil es so voll war. Trotzdem war es interessant, sich diese Ruinen der Chachapoya, die über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten entstanden, anzusehen. Schade (aber auch spannend) fand ich, dass man von dieser Kultur so gut wie nichts weiß und das meiste, was die Guides erzählen, nur Vermutungen sind. Auch das Setting auf 3000m Höhe mit genialem Rundumblick ist absolut sehenswert. Hier ein paar Eindrücke:

Besucherzentrum mit Restaurant, Verkaufsständen und Toiletten.

Erster Blick auf Kuelap auf dem Weg nach oben.

Blick auf die untere Mauer: die Chachapoya bauten ihre Mauern ohne Ecken, also rund. Außerdem waren sie nicht gerade, sondern verliefen wellenförmig und leicht nach innen geneigt.

Ein Gebäude der Inkas, was man daran erkennt, dass es rechteckig ist. Sie übernahmen Kuelap von den Chachapoya.

Überreste eines Hauses eines wichtigen Mannes der Chachapoya, erkennbar an den Verzierungen. Die Häuser waren übrigens alle rund, mit ca 4m hohen Wänden und einem steilen Strohdach.

Die Häuser standen sehr eng beieinander.

Tolle Ausblicke von Kuelap aus, das auf 3000m Höhe liegt.

Bäume mit interessanten parasitären Gewächsen (keine Ahnung, wie die heißen, aber sie schauen schön aus).

Tiere gibts hier natürlich auch:

Um 13.00 Uhr rannten wir buchstäblich zurück zur Seilbahn, um noch durchzukommen, was uns auch gelang. So waren wir pünktlich zum Lunch um 14.00 Uhr wieder zurück in Nuevo Tingo, den wir uns ordentlich schmecken ließen, und dann hieß es warten bis 18.00 Uhr, bis die Straßensperre wieder aufgehoben war. Die Zeit verbrachten wir mit interessanten Gesprächen (auf Deutsch, war total ungewohnt!) über unsere Reisen, ökologische Landwirtschaft und Essen in verschiedenen Ländern.

Fazit: Kuelap ist interessant, schade war allerdings, dass man im Moment wegen der beiden Baustellen nur 2 Stunden dort verbringen kann, während die übrigen 13 Stunden des Tagestrips überwiegend aus Warten (und Fahrt und Essen) bestehen.

Morgen werde ich erstmal ausschlafen und dann mit Leonie, einer der Deutschen aus der heutigen Gruppe, eine gemütliche Halbtagestour zum Sonche-Canyon und der Ortschaft Huancas machen.

Viele Grüße aus Chachapoyas!