Einleben in der neuen Heimat

Hallo liebe Leser, endlich komme ich mal wieder dazu, euch zu schreiben. Inzwischen bin ich schon seit 4 Wochen in meinem neuen Zuhause in Waipawa, die Zeit ist vergangen wie im Flug! Es gibt jede Menge zu lernen, denn mein Leben hier ist in fast allen Belangen komplett anders als mein Leben in Deutschland. Zu allererst natürlich der Job – ich habe zwar schon drei verschiedene Berufe, aber auf einem Campingplatz habe ich noch nie gearbeitet, und so bin ich quasi gerade Paddy’s Auszubildende ;-). Und was hier nicht alles für Arbeit anfällt! Mit der Arbeit in einem Krankenhaus oder meinem Job als Lehrer in gut geheizten Räumen am Schreibtisch hat das wenig zu tun – dafür bin ich viel draußen und arbeite mehr körperlich bzw. mit meinen Händen, weniger mit dem Kopf.

Zu allererst kommt natürlich das Putzen der Küche, Laundry und Waschräume, das wir sarkastisch unsere „Happy Hour“ nennen. Wer mich kennt, weiß, wie „gerne“ ich putze, aber fairerweise muss man sagen, dass das zumindest im Moment keine große Arbeit ist, da nicht viele Leute hier sind und Paddy und ich uns die Arbeit ohnehin teilen.

Der Eingang zum Frauen-Waschraum, das „Cleaning“-Schild steht schon…
Der Waschraum von innen, mein Putzeimer steht schon bereit.

Wenn wir Übernachtungsgäste in unseren Cabins haben, müssen die natürlich nach ihrer Abreise wieder geputzt und hergerichtet werden:

Eine unserer Cabins, nachdem wir die Betten abgezogen haben, mit Blick auf die Alpaca-Weide 🙂
Das Deck vor den Cabins, mit allen Läufern aus den Zimmern über den Sesseln ausgebreitet, damit wir innen sauber machen können.
Der Boss arbeitet fleißig mit 😉

Auch unsere Lodge, in der zur Apfelernte 8-12 „Apple pickers“ wohnen, musste wieder hergerichtet werden:

Bettentransport mit unserem kleinen Truck.
Ein Zimmer mit Bunkbed und Einzelbett in der Lodge.

Während Paddy bei mir in Deutschland war, hat Kevin, der in dieser Zeit mit Sandy den Campingplatz gemanagt hat, Zäune versetzt und einen Teil der riesigen Alpaca-Weide abgetrennt, um den Campingplatz zu vergrößern. Natürlich müssen dafür auch Stromleitungen neu verlegt werden für die powered sites – und das haben wir ausgerechnet im größten Dreckwetter gemacht…

David, der Elektriker, und Paddy beim Verlegen der Stromkabel unter den Cabins durch. Kevin hatte zuvor den Kanal gegraben.

Auch um die Bäume muss man sich kümmern, damit während des nächsten Sturms keine Äste auf Wohnwägen oder Zelte fallen:

Paddy mit der Kettensäge am Werk.

Und hier noch ein paar Eindrücke von dem, was wir so um unser Haus herum getan haben:

Paddy auf dem Dach beim Reinigen der Solarzellen – unser Wasser wurde nicht mehr richtig warm, weil die Solarzellen so dreckig waren…
Danach reinigten wir das Deck und die Veranda ums Haus herum...
… inklusive Möbel, die da normal stehen.
Auch die Fenster mussten danach gereinigt werden, aber sie hatten es eh nötig...

Wenn dann zwischendurch oder abends mal Zeit ist, bastelt Paddy an irgendeinem Gefährt oder Motor in seiner Werkstatt rum:

Paddy beim Zusammensetzen eines Motorrad-Motors.

Nach getaner Arbeit und bei passendem Wetter sieht die Pause dann so aus:

Pause!!!

Bisher macht die Arbeit echt Spaß – am besten ist, dass man sehr interessante Leute kennenlernt, die wegen der geschlossenen Grenzen zwar (fast) alle „nur“ aus Neuseeland kommen, aber trotzdem häufig sehr interessante Geschichten haben. Außerdem liegt mir der Teil am besten, ich bin gut mit Menschen :-).

Zum Glück gibt es aber nicht nur die Arbeit (obwohl es sich bisher nicht wirklich nach Arbeit anfühlt und nie stressig ist), sondern auch einiges an Freizeitaktivitäten, die ich mir hier aber erst wieder suchen muss. Das naheliegendste für mich ist Radeln, da ich ja mein Fahrrad, das ich für meine Neuseeland-Tour 2018/19 benutzt hatte, schon hier habe. Als ich es putzen und herrichten wollte, gab es leider eine unangenehme Überraschung: Mehrere Speichen waren einfach durchgerostet! So packten wir das Rad ein und fuhren zu Wayne, der in Waipukurau ein Fahrrad-/Rasenmäher-Geschäft hat und ließen neue Speichen aufziehen. Und wo wir schonmal da waren und ich auch ein neues Mountainbike brauchte, schauten wir gleich mal nach Rädern. Zufällig war eins in meiner Größe da, was gut und halbwegs bezahlbar war. Ich durfte es einen Tag probefahren und war begeistert. Lieber wäre mir zwar das Trek Bike gewesen, aber darauf müsste ich voraussichtlich ein Jahr warten (und es wäre um einiges teurer gewesen)… und so entschied ich mich dafür, das Scott Bike zu nehmen (auch wenns nicht unbedingt meine Farbe ist):

Mein neues Bike, yayyy!!!

Natürlich musste ich mein neues Bike gleich ausprobieren, und so nutzte ich jeden sonnigen und nicht zu windigen Tag zum Radeln. Hier gibt es neben dem neu angelegten Tukituki Trail entlang des Tukituki Rivers auch einen Mountainbike Park, den ich aber bisher noch nicht ausprobiert habe. Aber die Trails entlang des Flusses sind auch schonmal ganz nett… hier ein paar Fotos von verschiedenen Radtouren:

Der neue Tukituki Trail: entweder gemütlich auf ebenen Limestone-Radwegen oder auf Mountainbike-Trails befahrbar, also für jeden Geschmack etwas dabei.
So sieht der gemütliche Radweg aus…
… und das ist die sportlichere Variante.
Die neue Swing Bridge über den Tukituki River.
Die Hängebrücke ist schon etwas wackelig, wenn man drüber fährt – aber macht echt Spaß!
Der Weg führt auch durch ein paar Bäume neben dem Fluss.
Blick auf den Waipawa River, ganz im Hintergrund die Berge…
… die Ruahine Ranges, ganz oben noch mit Schnee bedeckt.
Einsame Nebenstraße durch die Hügel bei Waipawa.
Paddy ist manchmal auf einer Tour dabei, auch wenn seine Bikes eher folgendermaßen aussehen:
Paddy auf seiner Harley.

Da wir seit fast zwei Wochen keinen Lockdown mehr haben (außer in Auckland), sondern nur noch Level 2, was hauptsächlich bedeutet, dass man beim Einkaufen bzw in Gebäuden Maske tragen muss, konnten wir nun endlich Paddy’s Freunde treffen, die darauf brannten, ihn endlich daheim willkommen zu heißen und mich kennen zu lernen. Der erste war Harry, der zu einer Nachmittags-Jam-Session vorbei kam:

Harry und Paddy beim Musizieren in unserer Küche.

Auch seine Familie, sprich seine Schwester und seine Tochter, konnte Paddy nach 5 Monaten endlich wiedersehen und in den Arm nehmen – beide kamen zu Kaffee und Kuchen mit ihren Partnern bei uns vorbei. Paddy’s Schwester Aileen kannte ich schon, aber dies war das erste Treffen mit seiner Tochter Liv, da war ich schon ein bisschen nervös… aber völlig grundlos, sie ist supernett, und es war ein sehr schöner Nachmittag zusammen!

Andrew + Aileen und Sam + Liv mit Paddy beim Schokokuchen-Essen auf unserer Veranda.

Freitag Abend gingen wir das erste Mal aus, mit ein paar von Paddy’s Freunden in den örtlichen Pub „Skinny Mulligans“. Es wurde ein schöner unterhaltsamer Abend mit jeder Menge Gesprächsthemen, und zum Glück habe ich inzwischen keine Probleme mehr, Kiwi-English zu verstehen 🙂

Eine fröhliche Runde: Paddy, ich, Annette, Wendy, Ross, Andrew und Aileen.

Da der Abend recht früh endete und wir noch nicht nach Hause wollten, statteten wir Paddy’s Freunden Roy und Wendy noch einen Besuch ab:

Wendy, Roy und Paddy bei Kaffee und Keksen, danach gab es noch eine Musikeinlage von Roy, der auch Gitarre spielt und singt.

Tags darauf kam uns Paddy’s Freund Steve aus Napier besuchen, ihn hatte ich bis dahin noch nicht bzw. nur per Skype kennen gelernt. Wie Paddy ist auch er ein begeisterter Biker:

Steve auf seiner neu erworbenen Harley.
Steht mir auch gut, oder? Nur an der Fußbekleidung sollte ich noch arbeiten 😉

Endlich konnte Paddy’s Band auch wieder das Proben aufnehmen, und jetzt wieder mit Paddy! Es macht Spaß, ihnen zuzuhören und zuzuschauen, sie sind echt gut!

Paddy (Gitarre), Harry (Gitarre + Gesang), Steve (Gitarre), Glyn (Bass) und Steve (Schlagzeug) beim Proben in Paddy’s Workshop.
Kleine Kostprobe der „Monotones“.

Ansonsten „übe“ ich fleißig Autofahren, denn an das Linksfahren muss man sich echt erst gewöhnen – und daran, dass alles im Auto auf der falschen Seite ist! Das kenne ich zwar von Dominica schon, aber das ist inzwischen auch schon wieder 12 Jahre her, krass! Und da Paddy einen ganzen Fuhrpark hat, muss ich mich nicht nur ans Linksfahren gewöhnen, sondern auch an verschiedene Gefährte – unter anderem dieses hier:

Quadbike-Fahren am Fluss entlang macht echt Spaß!

Inzwischen habe ich mich schon etwas besser an die Temperaturen gewöhnt, und den Kamin anheizen kann ich mittlerweile im Schlaf ;-). Trotzdem bin ich froh, dass jetzt Frühling ist und es immer wärmer wird. Und auch die Natur erwacht so langsam wieder zum Leben. Hier ein paar Eindrücke:

Blumen in Waipawa’s „Stadtzentrum“.
Die Bäume fangen an zu blühen.
Soooo schön, wenn es anfängt zu blühen.
Überall sieht man Lämmer, auch ein Zeichen für Frühling.
Und an manchen Tagen ist es morgens schon so warm, dass man draußen frühstücken kann (meist ist es draußen eh wärmer als im Haus).
Cooler Abendhimmel vor schlechtem Wetter.
Abendhimmel über dem Waipawa River.

Mittlerweile ist auch meine Kiste voller Klamotten hier angekommen, die ich kurz bevor wir hergeflogen sind, für schlappe 257 Euro versendet habe – jetzt sind meine ganzen Klamotten (die ich noch habe) hier, auch die kurzen Sachen – der Sommer kann also jetzt kommen 🙂

Meine etwas ramponierte Kiste, aber es war ja nichts Zerbrechliches drinnen.

Das war so das Wichtigste der letzten 4 Wochen, und natürlich bin ich immer noch dabei, mich einzuleben, das geht nicht so schnell. In den nächsten Tagen und Wochen werde ich mich mehr darum kümmern, mir mein neues Leben hier aufzubauen: Bankkonto eröffnen, Steuernummer beantragen, usw usw. Außerdem werde ich mir mal das Fitnessstudio in Waipukurau, dem nächsten Ort, anschauen und evtl. den Judoverein in Napier kontaktieren und dort mittrainieren. In Hastings gibt es sogar eine Frauen-Fußballmannschaft, obwohl Fußball hier nicht so ein großes Ding ist. Mal sehen, vielleicht fange ich ja wieder das Kicken ein bisschen an…?!? Oder vielleicht auch nur das Training-Halten, wenn sie einen Trainer gebrauchen können. Es wird also so schnell nicht langweilig hier 😉

Ich hätte noch eine Bitte an euch: Da wir für mein Partner Resident Visa, das wir im März beantragen wollen, weiter „Beweise“ sammeln müssen, wäre es cool, wenn ihr Paddy und mir mal eine Karte oder einen Brief schickt (abgesehen davon, dass ich mich sowieso über Post aus der Heimat freuen würde). Hier ist unsere Adresse:

Danke schonmal im Voraus! Ich hoffe, euch geht es gut – und an meine ganzen Lehrer-Freunde – ihr habt den Start ins neue Schuljahr gut gemeistert und überstanden? Würde mich sehr freuen von euch zu hören! Bis dahin bleibt gesund! Ganz liebe Grüße vom anderen Ende der Welt!

Eure Susi

2 Kommentare zu „Einleben in der neuen Heimat“

  1. Gidday Susi and Paddy, Enjoyed your news and up to date Story. I’m laying back here with crutches and leg brace, fractured knee unfortunately. from Brisbane, Gold Coast QLD. I like Paddy were born in Waipawa, I think Paddy went to school with my late older sister. I still have a brother in Waipawa. Paddy and I share the same interests, motorbikes and music, and ladies from overseas ha ha. hope I get to travel back there sometime in future as my mum and family still live there. say gidday to Paddy, enjoyed your Story, cheers

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