Am Boden zerstört

Game over, alles vorbei – am Donnerstag Nacht kam unsere Absage für das Visum: Sie glauben uns nicht, dass wir in einer ernsthaften und stabilen Beziehung sind!

Ich kann gar nicht beschreiben, wie weh das tut, nach fast einem Jahr nicht sehen dann auch die letzten Hoffnungen zerstört, dass wir endlich unser gemeinsames Leben anfangen können. Und das alles, weil das einzig wichtige Kriterium für unsere Sachbearbeiterin war, dass wir keinen gemeinsamen Mietvertrag, kein gemeinsames Bankkonto oder keinen gemeinsamen Besitz haben – wie denn auch?!?!? Dass wir sonst alle anderen Kriterien erfüllen und welche Opfer wir beide schon gebracht haben, um unseren Traum vom gemeinsamen Leben zu ermöglichen, das zählt alles nichts!

Es deutete sich letzte Woche schon an, als INZ nach weiteren Beweisen für unser „living together“ fragten, die wir natürlich nicht haben, wir hatten alles hingeschickt, was wir haben. Trotzdem haben wir uns nochmal 3 Tage hingesetzt, alle Kontoauszüge aus der Zeit, in der wir zusammen waren, beschriftet mit „gemeinsames Abendessen“, „gemeinsamer Einkauf“ usw. und Fotos hinzugefügt, wenn wir welche hatten, um zu beweisen, dass wir beide uns finanziell unterstützen und beide gleichzeitig an den angegebenen Orten waren – super-affig, aber was sollten wir tun? Und jetzt die Absage! Und natürlich auch perfektes Timing – Paddy hat morgen Geburtstag! Vielen Dank auch!

Es tut so weh, weil es auch so willkürlich erscheint. Andere haben ein Visum bekommen, obwohl sie nur 2 Wochen zusammen gelebt haben, wieder andere sind seid Jahren verheiratet mit Kindern und bekommen auch kein Visum – es ist einfach die pure Willkür bzw. anscheinend völlig abhängig vom jeweiligen Sachbearbeiter, und man kann nichts dagegen tun. Selbst die immigration adviser in dieser Facebook-Gruppe sind ratlos und wütend…

Und dann muss man gleichzeitig lesen, dass internationale Rennfahrer und mal wieder eine Filmcrew mit Familien Visa bekommen ohne Probleme, weil sie für die Wirtschaft wichtig sind. Und weil es nur begrenzte Quarantäne-Plätze gibt, muss man dann halt Visa für Partner von Neuseeländern ablehnen, die sind ja nicht so wichtig! Diese Politik ist so menschenverachtend! So zwingen sie quasi ihre eigenen Bürger, zu ihren Partnern ins Ausland zu reisen, um sie entweder nach Neuseeland zu holen (was tatsächlich manchmal klappt, aber leider auch immer weniger) oder ganz in das andere Land auszuwandern, weil es in Neuseeland keine Aussicht auf Grenzöffnung oder fairere Visa-Bearbeitung gibt. Kann es das sein?!? Oder erwartet die Regierung etwa wirklich, dass die getrennten Familien und Paare „einfach“ mal die 2-2,5 Jahre abwarten und sich nicht so anstellen??? Ich will gar nicht wissen, wie viele Beziehungen daran kaputt gehen… Hier ein sehr treffender Kommentar zu diesem Thema aus der Facebook-Gruppe, keine Ahnung, ob der erste Teil tatsächlich so von INZ geschrieben worden ist, aber zutrauen würde ich es ihnen:

Wir haben diese Visum-Absage am Anfang noch gar nicht richtig kapiert und waren einfach nur wie betäubt, haben uns gegenseitig per Skype versucht zu trösten und uns beim Weinen zugeschaut. Ich hab mich für Freitag in der Arbeit erstmal krank gemeldet, da war gar nicht dran zu denken! Geschlafen habe ich in der ersten Nacht danach kaum, ich konnte einfach an nichts anderes denken, als daran, dass wir uns nicht so bald wiedersehen werden. Den Freitag haben wir beide wohl zum großen Teil mit Weinen verbracht, produktives Lösungfinden war da noch nicht möglich. Gegen Abend kam dann zum Glück so ein bisschen der Kampfgeist wieder, was bleibst uns auch übrig?! Es gibt nicht wirklich viele Alternativen:

1. Warten bis die Grenzen aufgemacht werden, was laut Prime Minister wahrscheinlich noch 12-18 Monate dauert – ist also keine Option!

2. Paddy kommt wenigstens für einen Besuch nach Deutschland, damit wir uns wenigstens mal wieder sehen – ist auch keine langfristige Lösung, aber wäre natürlich schön, sich mal wieder zu sehen. Aber ein kurzer Besuch ist vergleichsweise teuer, weil er bei seiner Rückkehr 2 Wochen in Quarantäne muss und das natürlich auch selbst bezahlen muss. Und es ist immer schwierig für ihn, jemanden zu finden, der seinen Campingplatz so lange übernimmt.

3. Paddy kommt für 4-6 Monate nach Deutschland, damit wir mehr „living together“ vorweisen können, und dann stünden die Chancen gut, dass ich das Visum bekomme und wir gemeinsam zurückreisen können. Das ist die aussichtsreichste Option, aber leider auch die komplizierteste, weil er ja dann jemanden für ein halbes Jahr finden muss… und hier gäbe es dann auch jede Menge zu organisieren, damit wir dann auch alle erforderlichen Papiere zusammen kriegen (gemeinsamer Mietvertrag, …).

Bisher waren wir noch nicht wirklich fähig zu planen. Am Dienstag werden wir uns mit Sally, unserer immigration adviser, beraten und hoffen auf ein paar Tipps und Ideen…

Fest steht aber leider, dass ich hier so schnell nicht weg komme und unser gemeinsames Leben erstmal in weite Ferne gerückt ist. Ich kann es mir noch gar nicht so richtig vorstellen, noch wahrscheinlich mindestens ein Dreiviertel Jahr hier zu sein (wenn nicht mehr), in einer fremden Stadt, in der ich niemanden kenne, mit meinen 3 Kisten an Sachen, die ich noch besitze, in einem Job, der zwar für jetzt ok ist, den ich aber eigentlich nicht so lange machen wollte, ohne irgendwelche Ziele, quasi einfach nur warten – was für eine Zeitverschwendung!! Wir leiden beide ziemlich unter der erzwungenen Trennung, und ich habe Angst vor den psychischen Narben, die das sicher bei uns verursacht. Trotz allem sind wir beide sicher, dass wir das überstehen werden, wir lieben uns zu sehr und wollen das nicht verlieren. Ich hoffe, wir können in den nächsten Tagen einen Alternativplan erstellen, wir brauchen beide ein wenig Hoffnung und ein Ziel, auf das wir aktiv hinarbeiten können. Gerade bin ich nur einfach sehr verletzt, traurig, heartbroken und wütend auf INZ und die neuseeländische Regierung – ich glaube nicht, dass ich ihnen jemals verzeihen kann, wie menschenverachtend sie mit so vielen getrennten Familien und Paaren umgehen, ohne ihnen auch nur einen Hoffnungsschimmer zu geben, eine Aussicht darauf, doch endlich mit dem/der/den Liebsten wiedervereint zu sein.

Ich hoffe, der nächste Blog Beitrag wird wieder positiver, vielleicht haben wir bis dahin schon so etwas wie einen neuen Plan… Und damit es nicht nur negativ ist, hier noch ein Bild aus glücklichen Zeiten – und es wird noch ganz viele Bilder von uns in Zukunft geben, ganz sicher!

I love you, my cute Kiwi guy! Happy birthday! We will be together and we will be happy again!

Ich wünsche euch trotz der gerade doch ziemlich düsteren Zeit eine schöne Vorweihnachtszeit! Passt auf euch auf und bleibt gesund!

Eure Susi

2 Kommentare zu „Am Boden zerstört“

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