Bad news from New Zealand

Hallo liebe Leser, heute gibt es keine guten Neuigkeiten – seit Dienstag gibt es auch in Neuseeland nach über 100 Tagen ohne Corona-Infektionen wieder positiv Getestete in der Bevölkerung. Am Dienstag wurde ein Mann in Auckland, der wegen Symptomen zum Arzt ging, positiv getestet, und auch drei weitere Familienangehörige testeten positiv. Daraufhin reagierte die neuseeländische Regierung gewohnt resolut mit sofortigem Lockdown des Levels 3 in Auckland und Level 2 für den Rest des Landes. Inzwischen wurden insgesamt 30 Fälle in und um Auckland entdeckt, bisher ist noch nicht klar, wo und wie der Virus wieder aufgetaucht ist. Soweit zu den offiziellen News.

Passender Facebook-Cartoon von Dienstag…

Im Moment ist schwer zu sagen, ob und wie das Paddy’s und meine Situation beeinflusst, einfacher macht es sie wohl aber eher nicht… Generell ist es für mich leider unmöglich nach Neuseeland zu kommen, solange die Grenzen geschlossen sind. Man kann zwar einen Ausnahmeantrag stellen, aber der hat bei uns leider überhaupt keine Chance, bewilligt zu werden, da wir nicht als Paar in einer ernsthaften Beziehung anerkannt werden, weil wir noch nicht zusammen gewohnt haben. Außerdem werden im Moment generell keine Visa-Anträge aus dem Ausland bearbeitet.

Ausschnitt von der offiziellen Immigration Homepage INZ

Die Situation ist echt besch… für uns! Diese Woche war besonders hart, weil ich eigentlich am Montag geflogen wäre und seit Mittwoch in Neuseeland hätte sein sollen… So bleiben uns nur unsere täglichen Skype-Sessions und jede Menge zusätzliche WhatsApps, um uns gegenseitig aufzubauen und durchzuhalten. Wir haben uns seit 6.Januar nicht mehr gesehen, also seit mehr als 7 Monaten, und das ist ganz schön hart! Vor allem, weil es keine Aussicht auf Besserung gibt. Im Moment hoffen wir, dass Paddy wenigstens mal für einen Besuch nach Deutschland kommen kann, aber zur Zeit gibt es kaum Flüge aus Neuseeland heraus, und wer weiß, wie es hier in Deutschland ab Herbst sein wird, jetzt, wo unsere Zahlen wieder steigen… Trotzdem ist das wohl unsere beste Chance, uns wenigstens mal wieder für ein paar Wochen zu sehen. Billig wäre das Ganze nicht, weil Paddy bei seiner Rückkehr 14 Tage in „managed isolation“ müsste, die über 3000 Dollar kostet – d.h. nicht nur mehr Kosten, sondern auch 2 Wochen zusätzlichen Urlaub, den er im Hotel hocken müsste… aber das würden wir in Kauf nehmen.

Auf Facebook gibt es eine Gruppe für Leute, die durch die Grenzschließung in Neuseeland von ihrem Partner bzw. ihren Kindern getrennt worden sind. Da findet man ganz schön krasse und traurige Geschichten, und es erscheint zum Teil ziemlich wahllos, wer eine Einreise genehmigt bekommt und wer nicht. Es gibt zum Beispiel Paare, die schon Jahre zusammen leben, manchmal mit gemeinsamen Kindern, bei denen der ausländische Partner (und die Kinder) trotzdem nicht einreisen darf, d.h. Kinder haben ihren zweiten Elternteil zum Teil seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen. Echt krass! Und die Regierung interessiert sich anscheinend nicht sehr für diese Schicksale. Sie argumentiert, dass die Quarantäne-Einrichtungen voll seien, aber erstaunlicherweise findet sich dann doch Platz für Sportmannschaften und Film-Crews… offensichtlich lässt sich an denen besser verdienen. Hier ein paar Screenshots von einigen Schicksalen bzw. Posts, die auf dieser Seite veröffentlicht wurden:

So traurig – die Familie wollte in die Heimat der Mutter, Neuseeland, zurückkehren, der Vater blieb zurück in England, um das Haus zu verkaufen und alles zu regeln und dann nachzukommen, als der Lockdown kam. Jetzt sitzt er in England fest, da er Engländer ist und keine neuseeländische Staatsbürgerschaft hat.
Sowas geht dann – dafür gibt es interessanterweise Quarantäne-Plätze! Pferderennstrecken sind anscheinend systemrelevant…
Und noch eine traurige Geschichte: Er, Australier, nahm einen vorübergehenden Job auf einem Schiff an, bevor er bei der Polizei anfangen wollte, um Leben (und Steuern) in NZ zahlen zu können und nicht auf Sozialhilfe angewiesen zu sein. Jetzt kommt er nicht mehr ins Land, und seine Frau ist schwanger mit ihrem ersten Kind.

Wie ihr sehen könnt, gibt es jede Menge herzzerreißende Schicksale wegen der Grenzschließungen, und ich bin sicher, dass es diese auch bei uns gab, bis wir die neue Regelung für unverheiratete ausländische Partner von Deutschen hatten, die jetzt nach Deutschland kommen dürfen. Ausnahmsweise sind wir mal fortschrittlicher als andere… 😉

Hier noch ein offener Brief an die regierende Labour-Party und die Premierministerin Jacinda Ardern, der mir gut gefallen hat (auch wenn er wahrscheinlich nichts nützen wird):

Soweit zur momentanen Situation und speziell Paddy’s und meiner, sollte es etwas Neues geben, werde ich euch natürlich sofort informieren, aber wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht, dass ich dieses Jahr noch nach Neuseeland komme…

Da ich ja trotzdem irgendwie positiv bleiben muss und das Leben ja trotzdem weitergeht, versuche ich, das beste daraus zu machen. Zum Glück habe ich tolle Freunde, die mich aufbauen und ablenken, wann immer ich das brauche. Allen voran Tanja and Sven, meine tollen Gastgeber, die mir im Moment ein Dach über dem Kopf geben:

Um meine neue Umgebung ein wenig kennen zu lernen, brach ich am Sonntag mit meinem Rad zu den Langwieder Seen auf, die nur 10 Minuten entfernt sind. Was sich da meinen Augen bot, war der helle Wahnsinn!!

Sonntag Nachmittag am Lußsee… Social distancing klappt hier wohl nicht wirklich…
Zum Glück ist das Gelände riesig und es finden sich auch sonntags noch weniger bevölkerte Fleckchen 🙂

Und so genoss ich das tolle Sommerwetter diese Woche mit einem guten Buch (danke nochmal an meine Englisch-Fachschaft!) am See und abends auf Tanja’s Terrasse.

Heute hab ich auch mal wieder ein Los gezogen:

Hm, das hilft mir ganz sicher beim Positiv-Denken! Also hier meine Liste:

  • Paddy
  • meine Freunde
  • Gesundheit
  • Internet und damit die Möglichkeit, mit Paddy zu skypen
  • tolles Sommerwetter
  • ein Dach über dem Kopf
  • verschiedene Beruf zu haben, mit denen ich ganz sicher auch vorübergehend Arbeit finden werde
  • eigentlich ein positiver Mensch zu sein (auch wenn das gerade etwas schwerer fällt als sonst)
  • mein Fahrrad

Es gibt sicher noch viel mehr, aber das soll für jetzt reichen. Ab morgen bin ich für eine Woche unterwegs auf Familienbesuch, zuerst in Aschaffenburg bei meinem Vater, dann bei meiner Schwester und meinen Neffen und Nichte im hohen Norden – die habe ich auch schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen! Das wars erstmal für heute von mir! Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und eine schöne nächste Woche! 🙂

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