Stadtbesichtigung

Nachdem ich gestern überwiegend faul war und den Regen daheim ausgesessen hab, hatte ich heute trotz weiter angesagten Regens Hummeln im Hintern und wollte raus – schließlich kommt man ja nicht so oft nach Rio!

Gesagt, getan – um kurz nach 8 Uhr stieg ich in den Bus 107, der mich für 4 Real (ca 90 Cent) ins Centro bringen sollte. Was für eine Fahrt – und was für ein Gefährt! Der Fahrer war ganz sicher direkter Nachkomme von Ayrton Senna, zumindest fuhr er so! Und in dem ganzen Bus gab es kein Teil, das keine Geräusche machte, v.a.das Fenster an meiner Seite sorgte bei jeder Unebenheit (und davon gabs unendlich viele) für lautes Klappern. Doch dank dieser Fahrweise war ich schon in ca 30 Minuten im Centro, Googlemaps hatte über eine Stunde veranschlagt! Froh, die Fahrt bis auf ein kleines Schleudertrauma überlebt zu haben, machte ich mich auf den Weg zum neuesten und wohl bekanntesten Museum, dem Museu do Amanhā. Ein beeindruckender Bau, wenn auch jetzt schon nicht mehr ganz frisch…

Hab’s mir aber nur von außen angeschaut, war noch zu. Danach ging’s weiter zum Fortaleza do Morro da Conceição, was aber nicht das eigentliche Ziel war, denn das war der Weg dorthin: eine ganz schmale Gasse mit Kopfsteinpflaster und kleinen bunten Häuschen, sehr süß, fast wie vor 100 Jahren, und das mitten in Rio!

Marmoset (zu deutsch Zwergseidenaffe) und Katze im nachbarschaftlichen Plausch 😊

So, wer hätte Bock, hier jeden Tag rückwärts einzuparken und über den Beifahrersitz auszusteigen? Hut ab vor den Einparkkünsten dieses Taxifahrers! 😂

Dann ging’s einmal quer durch die Stadt – hier ein paar Eindrücke:

Theatro Municipal

Kathedrale von Rio

Aquädukt in Lapa

Escadaria Selaron: gefliest mit Fliesen aus aller Welt. Von unten sehr spektakulär…

… von oben sieht sie aus wie eine ganz normale Treppe 😊

Und noch ein paar Bilder aus Lapa:

Da hab ich mich übrigens nicht so sicher gefühlt, da waren ganz schön furchteinflößende Gestalten… bin deshalb auch nicht mehr auf den einen Hügel rauf, der eigentlich noch geplant war, sondern hab mich auf den Heimweg (diesmal zu Fuß 😜) gemacht.

Hier nochmal eine Skyline von einer Brücke in Gloria aus.

Was ich nicht fotografiert habe, was mich aber trotzdem sehr nachdenklich gemacht hat: verfallene, oft wunderschöne (Kolonial-)Häuser, Ruinen, in denen Menschen leben und so viele Obdachlose, wie ich es bisher nirgendwo anders gesehen habe! Ich weiß nicht, über wie viele Matten/Matratzen/Zeitungsschlafplätze ich heute gestiegen bin, Wahnsinn! Und überall hängt der Gestank von Urin in der Luft. Rio ist wirklich eine Stadt der krassen Gegensätze – hier gibt es viele wohlhabende oder zumindest normal verdienende Menschen, aber auch sehr viele Arme!

Was die Stadt für mich schwierig macht, ist, dass ich mich hier nicht frei bewegen kann und nicht überall dahin kann, wo ich gerne hin würde, nämlich v.a. rauf auf die Hügel, schon allein wegen der Aussicht! Aber dort sind die Favelas, das ist zu gefährlich, zumal die Stadt nach der Olympiade kein Geld mehr hat, um die Polizei zu bezahlen und so die Drogenbosse wieder die Oberhand in den Favelas gewinnen. Ich habe in zwei Nächten Schüsse gehört, und das, obwohl ich in einer sehr sicheren Gegend wohne. Da wird einem klar, wie privilegiert wir in Deutschland sind – ich kann in München zu jeder Zeit überall hin und muss keine Angst haben, erschossen zu werden.

Und trotzdem fasziniert mich Rio auch! Am besten finde ich, dass man hier zu jeder Zeit und überall Menschen bei allen möglichen Sportarten sieht. Sportklamotten gehören hier zum ganz normalen Kleidungsstil (auch wenn man gerade keinen Sport treibt) – von daher würde ich schon gut herpassen 😉

Morgen gehts rauf auf den Corcovado zur Jesusstatue, leider nicht zu Fuß auf dem Wanderweg (wegen Überfällen, außerdem bei Nässe zu rutschig und gefährlich), sondern mit der Elektrobahn. Hoffentlich hört es bis morgen auf zu regnen und der Berg ist nicht in Wolken gehüllt, sonst wird’s nix mit der Aussicht…

Viele Grüße aus dem nassen Rio!

2 Kommentare zu „Stadtbesichtigung“

  1. Das ist super spannend, was du schreibst. Und lustig auch manchmal… Ja, die so groß gefeierte Olympiade… die Leute haben schon damals drunter gelitten. Die kleinen Affen sind so süß, können wir die hier nicht auch ansiedeln?? Jetzt, mit der Klimaerwärmung passiert das vielleicht sowieso… 😉

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