Post-cyclone life – im Schneckentempo Richtung normales Leben…

Hallo liebe Leser, endlich mal wieder ein Lebenszeichen von mir 🙂 Inzwischen ist es schon fast fünf Monate her, dass unser Campingplatz dank des Cyclones Gabrielle überschwemmt wurde, und noch immer haben wir offiziell geschlossen, noch immer sind wir am Renovieren und Wiederaufbauen… Irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt – naiv wie wir waren, dachten wir Ende Februar, dass wir im April oder Mai wieder öffnen könnten… Aber alles braucht seine Zeit, und natürlich sind sämtliche Handwerker komplett ausgebucht und beschäftigt, wir waren ja nicht die einzigen, die überschwemmt wurden. Doch immer, wenn wir ungeduldig und unzufrieden mit dem Fortschritt sind, schauen wir uns die Fotos der Verwüstung kurz nach dem Cyclone an, nur um zu sehen, was wir schon erreicht haben (siehe vergangene Blogbeiträge). Hier als Nachtrag noch ein paar Bilder direkt nach der Überschwemmung, als das Wasser noch da, aber am Zurückgehen war:

Und da wollen wir wieder hin – so sah unser Holiday Park ein paar Tage vor der Überschwemmung aus (danke an Maxim für das coole Drohnenvideo):

Auch wenn es nach unserem Geschmack viel zu langsam voran geht, ist der Fortschritt doch zu erkennen: Die Wände in all unseren Gebäuden sind wieder geschlossen und die Räume sind gestrichen, hier unsere kleine Selbstversorger-Villa:

Hier warten wir jetzt darauf, dass die Küchenzeile eingebaut, danach der PVC-Boden in Bad und Küchenzeile und der Teppich im Loungebereich und Schlafzimmer verlegt wird.

Unsere große Selbstversorger-Lodge hat inzwischen sogar Teppichboden (das erste Bild war direkt nach dem Streichen), auch hier warten wir auf Kücheneinbau und PVC-Böden in Küche und Bad. Wir haben sogar schon Möbel gekauft, die aber noch verpackt oder noch gar nicht geliefert sind:

Unsere TV Lounge ist das einzige Gebäude, das vollständig wieder hergerichtet ist, es fehlen jetzt nur noch Kleinigkeiten wie eine Standlampe und ein paar Bilder. Hier der Prozess bis dahin und das Ergebnis:

Die braune Couch stand vorher in unserem Wohnzimmer, wir tauschten sie gegen eine neue ein – Harvey liebt sie (leider):

Unsere neue Wohnzimmer-Couch. Solange wir dabei sind, liegt Harvey VOR der Couch, aber sobald wir nicht da sind…

Auch unsere Cabins sind noch „work in progress“: nachdem die Handwerker die Wände wieder zu gemacht und verspachtelt hatten, brachten Paddy und ich Holzleisten zwischen Wänden und Decke an, danach begannen die Malerarbeiten. Da die Maler zwischendurch zu einem anderen Job mussten, schliffen wir die Fußböden (naja, hauptsächlich ehrlicherweise Anne und Simon, unsere deutschen Freunde aus Koblenz, die wir letztes Jahr kennenlernten, als sie ein paar Tage bei uns verbrachten) und trugen dann drei Schichten Polyurethan auf. Inzwischen ist unser Maler und Freund Roy (mein Radfahr-Kumpel) wieder zurück und malert fleißig, so dass die Cabins nächste Woche fertig sein sollten, dann müssen wir sie nur noch einrichten (Betten sind schon bestellt):

Paddy beim Anbringen der Holzleisten, man sieht außerdem die Verspachtelung, wo die Wände zum Trocknen geöffnet worden waren.
Die erste Schicht ist schon geweißelt.
Simon beim Abschleifen des Holzfußbodens.
Anne und Simon at work 🙂
Paddy beim Versiegeln des Bodens…
…und hier das Ergebnis, sieht gut aus!
Und es wird weiter gemalert – Roy in action (hier beim Schleifen der Deckenfuge)!

Auch unser Office ist inzwischen fertig, wir warten nur noch auf die Möbel, dann lade ich im nächsten Blog ein paar Bilder davon hoch. Das einzige Gebäude, in dem noch nichts passiert ist, ist der Küchen-/Bäderblock. Hoffentlich wird dort auch bald angefangen, denn beide Bäder und die Küche werden komplett neu gemacht… Wir hoffen, dass das bis September (spätestens Oktober) zum Frühjahrsbeginn fertiggestellt ist und wir komplett eröffnen können zur neuen Saison!

Auch der Park selbst hat noch einige Baustellen offen: der Boden muss an vielen Stellen noch von Schutt geräumt, begradigt und Rasen gepflanzt werden (an ein paar Stellen haben wir das schon gemacht), aber dazu ist es jetzt gerade zu nass. Tracy, unsere Gärtnerin, hat sich dem Pflanzenleben in unserem Garten und dem Holiday Park angenommen und an vielen Stellen schon echte Wunder bewirkt, hat aber noch einige Pläne für den Rest – sie ist echt super! Als letztes müssen dann noch die Wege wiederhergestellt werden, teilweise asphaltiert, teilweise nur geschottert, aber auch das muss warten bis September/Oktober, bis das Wetter stabiler und trockener wird.

Unsere Feuerholzhütte ist inzwischen auch wieder gerichtet und wir haben Feuerholz aufgestockt, so dass wir jetzt im Winter nicht (zuviel) frieren müssen. Netterweise haben wir Feuerholz von der Holzfabrik nebenan bekommen, da unser Feuerholz weggeschwommen ist – irgendein Nachbar flussabwärts war bestimmt happy darüber 😉

Unser Grundstück vor dem Holiday Park ist noch völlig chaotisch, voll mit Schutt und Asphaltstücken und Dreck und der Boden total uneben, und das Grass wächst durch und über alles. Wir hoffen, dass wir Hilfe von der Gemeinde bekommen, um es zu räumen und zu begradigen… Aber die Eisenbahnbrücke ist inzwischen wieder hergestellt, nur die Straße untendurch muss noch gebaut werden:

Im Moment sind Paddy und ich viel mit Möbel- und Zubehör-Shopping beschäftigt, schließlich müssen alle unsere Gebäude wieder eingerichtet werden, und so fahren wir regelmäßig nach Hastings und Napier auf der Jagd nach passenden (und bezahlbaren) Möbeln:

Über all der Arbeit mit Wiederaufbau könnte man fast die schönen Dinge des Lebens vergessen – meinen Geburtstag zum Beispiel. Den verbrachten wir zuerst mit einem romantischen Dinner (7-Gänge-Menu) in einem französischen Restaurant und anschließender Übernachtung in Napier:

Das „Poivre et sel“ in Napier.

Zwei Tage später feierten wir dann bei uns zuhause mit Freunden, wie immer mit Pizza und Margaritas (bzw. allen möglichen Getränken mit und ohne Alkohol):

Aileen, Annette, Steve und Susan beim Zubereiten der Pizzas.
Craige, Wayne und Sandy vom Radverein.
Noch ein paar mehr Radler: Wendy, Roy, Neil und Jo.
Warten auf den Kuchen ;-): Lyn, Davy, Susan, Annette, Harry, Sarita, Roy.

Harry, der Sänger von Paddy’s Band, baut gerade ein Tiny House, und da er uns bei den Aufräumarbeiten direkt nach der Überschwemmung tatkräftig geholfen hatte, war es Ehrensache, uns zu revanchieren und ihm beim Zusammenbauen des Tiny House zu helfen. Abgesehen davon kamen wir so auch mal aus unserem „Katastrophengebiet“ heraus! Hier ein paar Eindrücke:

In den letzten Wochen besuchten Paddy und ich ein paar Konzerte ganz unterschiedlicher Art – ein großer Vorteil, einen Musiker zum Freund zu haben, ich war noch nie vorher auf so vielen Musikveranstaltungen! 😉

Über den ganzen Monat Mai verteilt gab es in Central Hawke’s Bay etliche sogenannte „Small Hall Sessions“ an verschiedenen Veranstaltungsorten, die jeweils drei lokale Musiker/Bands mit ihren eigenen Songs boten. Der erste Part war immer ein noch unbekannter, aber aufstrebender Musiker, der zweite war schon regional bekannt und der dritte Künstler war überregional, wenn nicht sogar international bekannt. Wir besuchten zwei dieser Small Hall Sessions, und beide waren super! Hier ein Eindruck von der in Takapau:

Das Setting in der Takapau Town Hall: Tische und Stühle für ca 40 Gäste, klein und gemütlich.
Steve und Paddy mit dem Veranstalter und Organisator Jamie (Mitte), und Photobomber Paula 🙂
Paula und ich – Essen und Getränke gab es dort natürlich auch.

Ein weitaus größeres Konzert war das von 10cc in Hastings. Die amerikanische Band ist international vor allem mit ihren Hits „I’m not in love“ und „Dreadlock Holiday“ bekannt. Es war ein super Konzert in einer tollen Location!

Opening act mit „Hello Sailor“, einer echten Kiwi-Band.
10cc live on stage – super!!

Im Juni fuhren wir mit ein paar Freunden zur Pink Floyd Experience nach Palmerston North. Obwohl ich kein ausgesprochener Pink Floyd-Fan bin (zu viele Gitarren-Solos), war die Show doch echt beeindruckend!

Abendessen vorm Konzert: Rick, Glyn, Steve, Robbie, Paddy und ich.

Wie oben schon erwähnt, kamen Anne und Simon aus Koblenz uns Anfang Juni nochmal für ein paar Tage besuchen, bevor es für sie nach einem Jahr Neuseeland wieder nach Hause nach Deutschland ging – so schnell kann ein Jahr vergehen! Wir verbrachten ein paar schöne Tage bzw. Abende zusammen mit gutem Essen und Wein, Musik und Kicker. Außerdem halfen sie uns mit dem Schleifen unserer Cabin-Böden, vielen Dank nochmal! Es war toll, euch kennen gelernt zu haben – wir sehen uns dann nächstes Jahr in Deutschland wieder!

Anne und Simon waren Kicker-Profis!
Abschiedsbild.

Ansonsten gibt es bei uns nicht viel Neues. Ich habe vor vier Wochen wieder mit ernsthaftem Radfahrtraining angefangen und fahre zur Zeit zwischen 200 und 250km pro Woche, leider häufig zumindest teilweise auf der Rolle indoors, weil das Wetter (mal wieder!) nicht mitspielt. Aber wann immer möglich bin ich draußen unterwegs, oft alleine, manchmal mit meinen Trainingspartnern Roy oder Sandy und manchmal mit anderen in group rides:

Craige und Sandy in der Kaffeepause an ihren Handys.
Neil, Jo und ich – kalter, aber sonniger Wintermorgen.

Anfang Juli hatte der Radclub zur Saisonabschlussfeier geladen, und als Gastredner war Julian Dean eingeladen, ein ehemaliger Radprofi, der die Tour de France sieben Mal gefahren ist. Es war ein schöner Abend und Julian gab interessante Einblicke in das Leben eines Radprofis. Am nächsten Morgen schloss er sich unserem sonntäglichen Group Ride an, und trotz krassen Windes fanden sich tapfere 14 Gestalten, die sich diesem entgegen stemmten:

Group ride des CHB Bats Cycling Clubs mit Ex-Profi Julian Dean (Mitte).
Natürlich wollten Sandy und ich noch ein Foto mit dem very down-to-earth Julian Dean 🙂

Wie schon angedeutet, ist das Wetter weiterhin echt besch…. wir hatten bisher ein paar kalte Tage, wie man es für Winter erwarten würde, aber hauptsächlich ist es nach wie vor nass. Das ist besonders unangenehm, da wir zur Zeit wegen der Überschwemmung keine Unterbodenisolierung unter unserem Haus haben, und so ist es sogar noch kälter als letztes Jahr. Hier der Beweis:

Schnee auf den Bergen der Ruahine Ranges – wunderschön!
Das sorgt aber gleichzeitig auch für sehr kalte Temperaturen bei uns: 4 Grad IN der Küche (nicht draußen)!! Kühlschranktemperaturen in unserem Haus!!!
Sogar Harvey bevorzugt den Platz direkt vor dem Heater.

Ende Juni mussten wir nochmal ein wenig bangen, denn es gab tagelang schwere Regenfälle, und der Fluss stieg deutlich an. Freitag abends um 7 kam dann ein Polizist und ließ uns wissen, dass wir vorbereitet sein sollten für eine eventuelle Evakuierung, woraufhin hektische Geschäftigkeit auf unserem Campingplatz ausbrach und jeder sein mobiles Heim fahrbereit machte oder gleich bei Freunden Unterschlupf suchte. Zum Glück stieg das Wasser nicht so hoch, dass die neu gebauten bzw reparierten Deiche getestet wurden! Trotzdem bedeutete es für viele Leute hier in der Gegend ein paar schlaflose Nächte, zu frisch ist die Erinnerung an Cyclone Gabrielle noch in den Köpfen! Auch wir blieben nicht völlig cool und unternahmen einige Spaziergänge pro Tag hinunter zum Fluss, nur um zu sehen, ob er nach da ist, wo er hin gehört:

Waipawa und unser Campingplatz blieben dieses Mal zwar verschont, aber die Straßen litten doch arg, und nun gibt es überall riesige Schlaglöcher, was das Fahren vor allem in der Nacht gefährlich macht. Außerdem wurde die Waipawa Bridge am SH50 zerstört:

Auch dieses Wochenende ist mal wieder total verregnet, so ätzend!!! Entweder ist es superwindig oder es schüttet, was runtergeht. Ich hoffe wirklich, dass wir dieses Jahr endlich einen schönen Sommer haben – ich weiß schon gar nicht mehr wie sich das anfühlt! Aber bis dahin ist es noch eine ganze Weile, der Winter endet im September…

So, das wars mal wieder für heute. Ich hoffe, bei euch in Deutschland ist es sonnig und warm und ihr genießt den Sommer! Nur noch ein paar Wochen, dann sind Ferien, haltet durch!

Ganz liebe (und nasse) Grüße

Eure Susi

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