­čÄÁ Eine Bootsfahrt, die ist lustig, … ­čÄÂ

Am Dienstag Morgen stand ich gem├╝tlich um 9.00 Uhr auf, duschte nochmal (die n├Ąchsten mindestens 3 Tage w├╝rde es keine Dusche geben), fr├╝hst├╝ckte in aller Ruhe und nahm mir dann ein Mototaxi zum 7km-entfernten neuen Hafen. Dort angekommen, wurde ich sofort von einem Hafenarbeiter zu einem uralten, gro├čen Kahn geschleift, auf dem nur sehr wenig Platz f├╝r Passagiere war, aber jede Menge f├╝r Transportgut. Da das Boot nicht das war, was ich vom Internet her kannte, versuchte ich den Typen in meinem schlechten Spanisch zu fragen, ob es denn nicht noch ein anderes Boot g├Ąbe. Nach einigem Hin und Her verstand er, meinte aber, dies sei das einzige Schiff, das heute fahren w├╝rde. Na gut, was soll’s. Er spannte hilfsbereit meine H├Ąngematte zwischen die schon vorhandenen und wartete dann darauf, dass ich ihn bezahlte. Ich gab ihm schlie├člich 10 Soles f├╝r seine M├╝he und er zog zufrieden ab, w├Ąhrend ich einen Platz f├╝r meinen Rucksack suchte und mich mit meiner neuen „Umgebung“ vertraut machte. Hier ein Bild von dem Kahn vom „Passagiersdeck“ aus:

Unser Schiff, schon fast voll beladen, im Hafen. Unter der Plane war alles M├Âgliche an Baumaterial (v.a. S├Ącke mit Sand usw.), die beiden LKWs und bestimmt 30 K├╝he.

Ich hatte einen Platz direkt neben der K├╝che auf dem ersten Deck gefunden, zusammen mit einer 6-K├Âpfigen Familie, einem jungen P├Ąrchen und einem Typen, der gesch├Ąftlich nach Iquitos musste. Auf dem zweiten Deck waren nochmal vielleicht 10 Passagiere, unter anderem noch drei Ausl├Ąnder: ein Chilenisch-tschechisches P├Ąrchen und ein Engl├Ąnder – die einzigen auf dem Boot, die Englisch sprachen. Auf dem dritten Deck residierte der K├Ąpt’n, und man konnte dort einfach sitzen und die Aussicht genie├čen. Die Toiletten fand ich nach einer Weile im „Erdgeschoss“, ganze zwei an der Zahl (nur eines hatte ein Waschbecken dabei), und sie waren mega-eklig: kein Sitz, superdreckig, ohne Sp├╝lung – und einige Benutzer verstanden nicht, warum ein Wassereimer da rum stand und wie er zu benutzen war… und der Gestank war bestialisch. Naja, sehr authentisch… und f├╝r drei Tage w├╝rde es schon gehen. Ich erspare euch hier Bilder davon… ­čśľ.

Nach der Erkundung des Bootes schaute ich ein wenig beim Beladen des Schiffes zu:

Ziemlich moderner Ladekran im neuen Hafen, links Nebendarsteller die Maschinen, die dann aufs Schiff verladen wurden.

Beim Verladen einer der Maschinen.

Die K├╝he zwischen LKWs und Sands├Ącken.

Meine H├Ąngematte kurz nach meiner Ankunft, unter ihr die beiden j├╝ngsten Kids der Familie, Mama und Tochter im Vordergrund.

Eine Weile sp├Ąter hatten sich die Schlafpl├Ątze und das Gep├Ąck (zusammen mit den dazugeh├Ârigen Menschen) vermehrt, und die Familie hatte beschlossen, ihr Bett unter meiner H├Ąngematte zu platzieren… ­čśť.

Die Matrosen vom Nachbarschiff: nette Sch├Ąkerei zum Zeitvertreib ­čśŐ.

Man hatte mir gesagt, dass das Schiff um 15.00 Uhr fahren w├╝rde, aber Zeit ist hier relativ. Um 18.00 Uhr war klar, dass es heute gar nicht mehr fahren w├╝rde, woraufhin einige Leute das Schiff wieder verlie├čen, die meisten blieben aber, ich auch. Das Auf-dem-Schiff-Schlafen war auch gar kein Problem, aber Essen bekamen wir nicht, das w├╝rde es erst auf der Fahrt f├╝r uns geben. Rund um den Hafen gab es gar nichts, und der Ort war 7km entfernt. Ich war froh, dass ich vorher nicht nur einen 5-Liter-Kanister Wasser, sondern auch Obst und Kekse besorgt hatte, so hatte ich wenigsten ein Abendessen, das P├Ąrchen aus Chile und Tchechien hatte nichts dabei (ich teilte meine Kekse mit ihnen). So schlief ich also meine erste Nacht in der H├Ąngematte noch im Hafen – und stellte fest, sonderlich bequem ist das nicht, v.a. wenn man normalerweise auf dem Bauch schl├Ąft… Vorher hatte ich ├╝berlegt, was ich mit meinen Wertsachen machen sollte. In s├Ąmtlichen Reiseblogs wird empfohlen, mit dem Rucksack in der H├Ąngematte zu schlafen, aber es war ja eh schon relativ unbequem. So packte ich lediglich meinen Pass, meine Kreditkarten und mein Geld in meinen Brustbeutel, den ich die ganze Reise um den Hals trug. Alles andere lie├č ich, h├Ąufig „unbewacht“, im Rucksack und dachte mir, wir sind so wenige Passagiere, und die Familie war die ganze Zeit da, da w├╝rde schon nichts weg kommen. Vielleicht war ich da ein bisschen sehr sorglos, aber Tatsache ist, dass tats├Ąchlich nichts weg kam.

In der Fr├╝h um 5.30 Uhr ging es dann endlich los. Hier ein paar Eindr├╝cke meines Abenteuers auf dem Boot:

Mittags gab es dann das erste Essen aus der Bordk├╝che. Hierf├╝r muss jeder einen eigenen Teller bzw. Tupperdose und Besteck dabei haben, man stellt sich brav in einer Reihe an und bekommt, wenn man dran ist, jede Menge Reis, eine Kochbanane, viel zu wenig So├če und ein kleines St├╝ckchen Huhn aufgeladen, also sehr einfaches Essen, aber mehr als reichlich. Ich konnte nicht alles essen und hab den trockenen Reis an meinen H├Ąngemattennachbarn weitergereicht, der sich erfreut dr├╝ber her machte. Den gr├Â├čten Teil der Zeit auf dem Boot verbrachte ich mit Auf-das-Wasser-und-die K├╝ste-Schauen bei trockenem Wetter und Lesen bei Regen – und davon hatten wir leider reichlich! Dieses sehr eint├Ânige, aber superentspannte Bordleben wurde am Mittag des ersten Tages kurz durch einen Unfall belebt: das Boot wurde von der Str├Âmung in das Ufer getrieben und f├Ąllte 2 B├Ąume:

Nachdem es den halben ersten Tag geregnet hatte, klarte es gegen Abend auf und wir bekamen einen wundersch├Ânen Sonnenuntergang zu sehen.

Zwei der Crewmitglieder (so ziemlich die einzigen, die mich nicht angegraben haben ­čśť).

Ich im Sonnenuntergang auf dem Oberdeck.

Sonnenuntergang am Amazonas und im Folgenden ein paar Experimente mit der Kamera:

Nachts ├Ąnderte sich das Wetter und wir wurden unsanft von einem Gewittersturm geweckt, der unsere Sachen inklusive H├Ąngematten durchn├Ąsste, bevor die Regenplanen runtergelassen waren. ├ťberhaupt war es ├╝berraschend kalt auf dem Boot, v.a. Nachts. Nachdem es in Yurimaguas so hei├č gewesen war, war ich v├Âllig ├╝berrascht davon, dass ich lange Sachen anziehen musste und trotzdem fror. Da half die N├Ąsse nat├╝rlich nicht wirklich…

Anders als das Schiff der Gesellschaft „Eduardo“, das ich eigentlich nehmen wollte, legte unser Schiff nicht zwischendurch an kleinen Amazonasd├Ârfern an. Wenn jemand unterwegs irgendwo aussteigen wollte, wurde er mit dem kleinen Beiboot hingefahren. Unser erster und einziger Zwischenstopp war Nauta, ein kleiner Ort schon relativ nahe an Iquitos dran. Hier der Hafen von Nauta:

Und dann war da wieder nur noch braunes Wasser und gr├╝ne K├╝ste, soweit das Auge reichte, sehr meditativ:

Nachts um 23.00 Uhr kamen wir, nach nur zwei Tagen und einer Nacht Fahrt (statt 3 Tage und zwei N├Ąchte) in Iquitos an – der Hafen sah ziemlich dunkel aus und H├Ąfen sind ja sowieso generell eher nicht so die sichersten Orte, weswegen ich beschloss, die Nacht nochmal an Bord zu schlafen. Das machten ├╝brigens alle Leute so, von daher war es wahrscheinlich das Beste. Ach ja, Abendessen gab es ├╝brigens keins mehr, das Essen war aus ­čśé.

Morgens um 6.00 Uhr brachte uns ein kleines Taxiboot ans Ufer, von wo aus ich ein dort wartendes Mototaxi zum Hostel nahm – ich freute mich schon sehr auf ein sauberes Klo, eine Dusche mit sauberem Wasser (an Bord h├Ątte man mit Amazonaswasser duschen k├Ânnen, worauf ich schon allein wegen der braunen Farbe gerne verzichtete), Fr├╝hst├╝ck und ein richtiges Bett. Und alles bekam ich gleich nach meiner Ankunft dort ­čśŐ. Leider konnte ich kein Foto mehr vom Hafen und unserem Schiff machen, da meine Kamera im Sturm nass geworden war und kurzzeitig den Dienst versagte.

Fazit: die Bootstour war f├╝r mich schon ziemlich abenteuerlich und eindrucksvoll, und vieles habe ich sehr genossen, wie z.B. die viele Zeit zum Nichtstun bzw. Lesen oder die (wegen sprachlicher Schwierigkeiten sehr einfachen) Gespr├Ąche mit den anderen Leuten auf dem Boot, oder auch die Sonnenunterg├Ąnge. An die hygienischen Verh├Ąltnisse gew├Âhnt man sich bzw. man kann sie f├╝r die kurze Zeit in Kauf nehmen. Missen m├Âchte ich die Erfahrung auf keinen Fall, aber nochmal machen w├╝rde ich es eher nicht, zur├╝ck nehm ich den Flieger ­čśÄ.

Viele Gr├╝├če aus dem schw├╝l-hei├čen Iquitos im peruanischen Dschungel!

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