đŸŽ” Eine Bootsfahrt, die ist lustig, … đŸŽ¶

Am Dienstag Morgen stand ich gemĂŒtlich um 9.00 Uhr auf, duschte nochmal (die nĂ€chsten mindestens 3 Tage wĂŒrde es keine Dusche geben), frĂŒhstĂŒckte in aller Ruhe und nahm mir dann ein Mototaxi zum 7km-entfernten neuen Hafen. Dort angekommen, wurde ich sofort von einem Hafenarbeiter zu einem uralten, großen Kahn geschleift, auf dem nur sehr wenig Platz fĂŒr Passagiere war, aber jede Menge fĂŒr Transportgut. Da das Boot nicht das war, was ich vom Internet her kannte, versuchte ich den Typen in meinem schlechten Spanisch zu fragen, ob es denn nicht noch ein anderes Boot gĂ€be. Nach einigem Hin und Her verstand er, meinte aber, dies sei das einzige Schiff, das heute fahren wĂŒrde. Na gut, was soll’s. Er spannte hilfsbereit meine HĂ€ngematte zwischen die schon vorhandenen und wartete dann darauf, dass ich ihn bezahlte. Ich gab ihm schließlich 10 Soles fĂŒr seine MĂŒhe und er zog zufrieden ab, wĂ€hrend ich einen Platz fĂŒr meinen Rucksack suchte und mich mit meiner neuen „Umgebung“ vertraut machte. Hier ein Bild von dem Kahn vom „Passagiersdeck“ aus:

Unser Schiff, schon fast voll beladen, im Hafen. Unter der Plane war alles Mögliche an Baumaterial (v.a. SĂ€cke mit Sand usw.), die beiden LKWs und bestimmt 30 KĂŒhe.

Ich hatte einen Platz direkt neben der KĂŒche auf dem ersten Deck gefunden, zusammen mit einer 6-Köpfigen Familie, einem jungen PĂ€rchen und einem Typen, der geschĂ€ftlich nach Iquitos musste. Auf dem zweiten Deck waren nochmal vielleicht 10 Passagiere, unter anderem noch drei AuslĂ€nder: ein Chilenisch-tschechisches PĂ€rchen und ein EnglĂ€nder – die einzigen auf dem Boot, die Englisch sprachen. Auf dem dritten Deck residierte der KĂ€pt’n, und man konnte dort einfach sitzen und die Aussicht genießen. Die Toiletten fand ich nach einer Weile im „Erdgeschoss“, ganze zwei an der Zahl (nur eines hatte ein Waschbecken dabei), und sie waren mega-eklig: kein Sitz, superdreckig, ohne SpĂŒlung – und einige Benutzer verstanden nicht, warum ein Wassereimer da rum stand und wie er zu benutzen war… und der Gestank war bestialisch. Naja, sehr authentisch… und fĂŒr drei Tage wĂŒrde es schon gehen. Ich erspare euch hier Bilder davon… 😖.

Nach der Erkundung des Bootes schaute ich ein wenig beim Beladen des Schiffes zu:

Ziemlich moderner Ladekran im neuen Hafen, links Nebendarsteller die Maschinen, die dann aufs Schiff verladen wurden.

Beim Verladen einer der Maschinen.

Die KĂŒhe zwischen LKWs und SandsĂ€cken.

Meine HĂ€ngematte kurz nach meiner Ankunft, unter ihr die beiden jĂŒngsten Kids der Familie, Mama und Tochter im Vordergrund.

Eine Weile spĂ€ter hatten sich die SchlafplĂ€tze und das GepĂ€ck (zusammen mit den dazugehörigen Menschen) vermehrt, und die Familie hatte beschlossen, ihr Bett unter meiner HĂ€ngematte zu platzieren… 😜.

Die Matrosen vom Nachbarschiff: nette SchĂ€kerei zum Zeitvertreib 😊.

Man hatte mir gesagt, dass das Schiff um 15.00 Uhr fahren wĂŒrde, aber Zeit ist hier relativ. Um 18.00 Uhr war klar, dass es heute gar nicht mehr fahren wĂŒrde, woraufhin einige Leute das Schiff wieder verließen, die meisten blieben aber, ich auch. Das Auf-dem-Schiff-Schlafen war auch gar kein Problem, aber Essen bekamen wir nicht, das wĂŒrde es erst auf der Fahrt fĂŒr uns geben. Rund um den Hafen gab es gar nichts, und der Ort war 7km entfernt. Ich war froh, dass ich vorher nicht nur einen 5-Liter-Kanister Wasser, sondern auch Obst und Kekse besorgt hatte, so hatte ich wenigsten ein Abendessen, das PĂ€rchen aus Chile und Tchechien hatte nichts dabei (ich teilte meine Kekse mit ihnen). So schlief ich also meine erste Nacht in der HĂ€ngematte noch im Hafen – und stellte fest, sonderlich bequem ist das nicht, v.a. wenn man normalerweise auf dem Bauch schlĂ€ft… Vorher hatte ich ĂŒberlegt, was ich mit meinen Wertsachen machen sollte. In sĂ€mtlichen Reiseblogs wird empfohlen, mit dem Rucksack in der HĂ€ngematte zu schlafen, aber es war ja eh schon relativ unbequem. So packte ich lediglich meinen Pass, meine Kreditkarten und mein Geld in meinen Brustbeutel, den ich die ganze Reise um den Hals trug. Alles andere ließ ich, hĂ€ufig „unbewacht“, im Rucksack und dachte mir, wir sind so wenige Passagiere, und die Familie war die ganze Zeit da, da wĂŒrde schon nichts weg kommen. Vielleicht war ich da ein bisschen sehr sorglos, aber Tatsache ist, dass tatsĂ€chlich nichts weg kam.

In der FrĂŒh um 5.30 Uhr ging es dann endlich los. Hier ein paar EindrĂŒcke meines Abenteuers auf dem Boot:

Mittags gab es dann das erste Essen aus der BordkĂŒche. HierfĂŒr muss jeder einen eigenen Teller bzw. Tupperdose und Besteck dabei haben, man stellt sich brav in einer Reihe an und bekommt, wenn man dran ist, jede Menge Reis, eine Kochbanane, viel zu wenig Soße und ein kleines StĂŒckchen Huhn aufgeladen, also sehr einfaches Essen, aber mehr als reichlich. Ich konnte nicht alles essen und hab den trockenen Reis an meinen HĂ€ngemattennachbarn weitergereicht, der sich erfreut drĂŒber her machte. Den grĂ¶ĂŸten Teil der Zeit auf dem Boot verbrachte ich mit Auf-das-Wasser-und-die KĂŒste-Schauen bei trockenem Wetter und Lesen bei Regen – und davon hatten wir leider reichlich! Dieses sehr eintönige, aber superentspannte Bordleben wurde am Mittag des ersten Tages kurz durch einen Unfall belebt: das Boot wurde von der Strömung in das Ufer getrieben und fĂ€llte 2 BĂ€ume:

Nachdem es den halben ersten Tag geregnet hatte, klarte es gegen Abend auf und wir bekamen einen wunderschönen Sonnenuntergang zu sehen.

Zwei der Crewmitglieder (so ziemlich die einzigen, die mich nicht angegraben haben 😜).

Ich im Sonnenuntergang auf dem Oberdeck.

Sonnenuntergang am Amazonas und im Folgenden ein paar Experimente mit der Kamera:

Nachts Ă€nderte sich das Wetter und wir wurden unsanft von einem Gewittersturm geweckt, der unsere Sachen inklusive HĂ€ngematten durchnĂ€sste, bevor die Regenplanen runtergelassen waren. Überhaupt war es ĂŒberraschend kalt auf dem Boot, v.a. Nachts. Nachdem es in Yurimaguas so heiß gewesen war, war ich völlig ĂŒberrascht davon, dass ich lange Sachen anziehen musste und trotzdem fror. Da half die NĂ€sse natĂŒrlich nicht wirklich…

Anders als das Schiff der Gesellschaft „Eduardo“, das ich eigentlich nehmen wollte, legte unser Schiff nicht zwischendurch an kleinen Amazonasdörfern an. Wenn jemand unterwegs irgendwo aussteigen wollte, wurde er mit dem kleinen Beiboot hingefahren. Unser erster und einziger Zwischenstopp war Nauta, ein kleiner Ort schon relativ nahe an Iquitos dran. Hier der Hafen von Nauta:

Und dann war da wieder nur noch braunes Wasser und grĂŒne KĂŒste, soweit das Auge reichte, sehr meditativ:

Nachts um 23.00 Uhr kamen wir, nach nur zwei Tagen und einer Nacht Fahrt (statt 3 Tage und zwei NĂ€chte) in Iquitos an – der Hafen sah ziemlich dunkel aus und HĂ€fen sind ja sowieso generell eher nicht so die sichersten Orte, weswegen ich beschloss, die Nacht nochmal an Bord zu schlafen. Das machten ĂŒbrigens alle Leute so, von daher war es wahrscheinlich das Beste. Ach ja, Abendessen gab es ĂŒbrigens keins mehr, das Essen war aus 😂.

Morgens um 6.00 Uhr brachte uns ein kleines Taxiboot ans Ufer, von wo aus ich ein dort wartendes Mototaxi zum Hostel nahm – ich freute mich schon sehr auf ein sauberes Klo, eine Dusche mit sauberem Wasser (an Bord hĂ€tte man mit Amazonaswasser duschen können, worauf ich schon allein wegen der braunen Farbe gerne verzichtete), FrĂŒhstĂŒck und ein richtiges Bett. Und alles bekam ich gleich nach meiner Ankunft dort 😊. Leider konnte ich kein Foto mehr vom Hafen und unserem Schiff machen, da meine Kamera im Sturm nass geworden war und kurzzeitig den Dienst versagte.

Fazit: die Bootstour war fĂŒr mich schon ziemlich abenteuerlich und eindrucksvoll, und vieles habe ich sehr genossen, wie z.B. die viele Zeit zum Nichtstun bzw. Lesen oder die (wegen sprachlicher Schwierigkeiten sehr einfachen) GesprĂ€che mit den anderen Leuten auf dem Boot, oder auch die SonnenuntergĂ€nge. An die hygienischen VerhĂ€ltnisse gewöhnt man sich bzw. man kann sie fĂŒr die kurze Zeit in Kauf nehmen. Missen möchte ich die Erfahrung auf keinen Fall, aber nochmal machen wĂŒrde ich es eher nicht, zurĂŒck nehm ich den Flieger 😎.

Viele GrĂŒĂŸe aus dem schwĂŒl-heißen Iquitos im peruanischen Dschungel!

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